Dienstag, 11. November 2014

Multi-Channel-Networks (MCN) - Rettungsanker für die Medienkonzerne?

Von Ralf Keuper 

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen haben die Medienkonzerne inzwischen den Zauber der Multi-Channel-Networks entdeckt. 
Noch kommen sie dabei nicht an YouTube, als der größten Video-Plattform der Welt, vorbei. Über bzw. auf YouTube lancieren die MCNs ihren Content und begleitende Services, wie vor allem Werbung. 
Der Eindruck entsteht, dass ein Wettlauf um einen Platz an der Sonne entbrannt ist. Da will auch RTL nicht abseits stehen. Vor einigen Tagen erwarb RTL bereits sein drittes Multichannel-Network. Viel hilft viel, so scheint man sich bei RTL zu denken.

Die wachsende Beliebtheit der MCNs wirft die Frage auf, ob die hohen Erwartungen sich erfüllen können, wie in dem Beitrag Can Media Firms Become Digital Video Mavens?

Entscheidend wird sein, ob es den klassischen Medienkonzernen gelingt, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Übertragung der alten, analogen Logik in die digitale Welt ist zum Scheitern verurteilt. Noch aber sind die Verfahren und die Kulturen auf die alte Welt ausgelegt. Die Controller müssen umlernen. 

Die Zeit drängt: Anders als die traditionellen Medienkonzerne haben die großen Internetkonzerne kaum mit Altlasten zu kämpfen. Sie können ihre Expertise in den Bereichen Digital-Advertising, Algorithmen, Technologie sowie beim Aufbau funktionierender digitaler Ökosysteme voll zur Geltung bringen. Ihre Reichweite ist schon jetzt kaum noch einzuholen, geschweige denn zu überholen. 

Insbesondere die chinesischen Internetkonzerne wie Tencent, Alibaba, Baidu und Youku sind intensiv damit beschäftigt, ihre Ökosysteme weiter auszubauen, wie aktuell das Beispiel des Einstiegs von Xiaomi bei Youku verdeutlicht. 

So lange kein Weg an den großen Plattformen wie YouTube, Youku und Netflix vorbei führt, dürfte es für die Medienkonzerne sehr schwer werden, ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen. Dafür ist die Abhängigkeit zu groß und der Geschäftssinn von YouTube & Co. zu ausgeprägt. Über kurz oder lang werden sie sich ihren Service fürstlich entlohnen lassen. Sie sind die neuen Gatekeeper. Die Macht hat sich verschoben. 

Die klassischen Medienkonzerne müssen aufpassen, nicht zu Nischenanbietern oder bloßen Zulieferern zu mutieren. Der Kuchen wird jedenfalls kleiner. Künftig werden auch die großen Werbeagenturen noch mehr als bisher von dem Kuchen große Stücke für sich beanspruchen. 

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