Mittwoch, 5. November 2014

Über die Zukunft des Radios in der Digitalmoderne

Von Ralf Keuper 

Als ein Medium, das nach heutiger Vorstellung von Beginn an digital war, scheint  das Radio für die Veränderungen, als Folge der Verbreitung des Internet sowie neuer Angebote, gut gerüstet zu sein. Anders als beim Print sind hier die organisatorischen und kulturellen Hürden leicht zu überwinden. Dennoch, so jedenfalls Wolfgang Hünnekens in seinem Beitrag Zur Zukunft des Radios: Warum Rundfunksender Digital-Change-Manager brauchen, benötigen die Rundfunkanstalten Unterstützung bei der Bewältigung des digitalen Wandels. Hierfür sei ein Digital-Change-Manager als Initiator und Beschleuniger der internen Veränderungsprozesse unabdingbar. 

Die Herausforderungen sind jedenfalls nicht kleiner geworden. Nicht nur Streaming-Dienste setzen den Radioanstalten zu, sondern auch Angebote branchenfremder Unternehmen, wie die der Automobilkonzerne in Form sog. Infotainment-Systeme. Letztere haben schon jetzt eine Entwicklungsstufe erreicht, die eine ernste Bedrohung für die klassischen Rundfunkhäuser darstellen. Allerdings sind die Angebote der Automobilhersteller derzeit noch recht teuer

Die Frage ist, ob die Hörer oder die Medienkonsumenten künftig ihren Bedarf aus einer Hand bedient haben wollen, oder ob sie nicht doch auf die zahlreichen, spezialisierten Apps zurückgreifen? Wie sehr können sich die verschiedenen Medienformate aneinander annähern? Kommt es demnächst zu einer Medienkonvergenz, d.h. Hören, Sehen und Lesen in einem Format, über einen Kanal? Oder behält das Rieplsche Gesetzt auch weiterhin seine Gültigkeit? Reicht die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer, Leser und Zuschauer künftig überhaupt noch für verschiedene, separate Medienkanäle, von unterschiedlichen Anbietern ganz zu schweigen? Welche Rolle kann Freifunk übernehmen ?

Jedenfalls ist derzeit ein starker Trend hin zu einer Verschmelzung der verschiedenen Medienformate zu beobachten. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere die großen Internetkonzerne wie Google, Facebook, Tencent und Baidu, die ihre Aktivitäten im Bereich Medien und Entertainment systematisch ausbauen. Gestern etwa wurde bekannt, dass Google und Disney eine Partnerschaft vereinbart haben. Künftig wird der Disney Service Disney Movies Anywhere über Google Play verfügbar sein. Nicht zu unterschätzen ist das "Apple Chinas", Xiaomi. Wie ebenfalls gestern gemeldet wurde, plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von 1 Mrd. US-Dollar in die Inhalte für seine TV-Dienste zu tätigen. 

Bei dem Versuch, die verschiedenen Formate sinnvoll zusammenzubringen, werden semantische Technologien und Algorithmen eine entscheidende Rolle spielen. 

Dem Digital-Radio steht bisher noch die Dominanz des UKW-Funks im Weg. Sobald dieses Hindernis überwunden oder umgangen worden ist, steht der Verbreitung des digitalen Radios eigentlich nichts mehr im Weg. Wenn es dann nur nicht zu spät ist ...  Eine ausgesprochen informative Übersicht gibt der Beitrag Das Radio im Wandel. Der langsame Abschied von UKW & Co

Ebenfalls interessante Gedanken scheint, dem ersten Eindruck nach zu urteilen, das Buch Radio Content in the Digital Age: The Evolution of a Sound Medium zu enthalten. 

Weitere Informationen:

Ursachen veränderter Mediennutzung

Radios bleiben häufiger aus

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