Dienstag, 30. Dezember 2014

Sind nur schlechte Nachrichten gute Nachrichten?

Von Ralf Keuper

Die Aussage, nur schlechte Nachrichten seien gute Nachrichten, scheint sich in der Realität immer wieder zu bestätigen. Da bleibt nicht anders übrig, als sich damit abzufinden, und auf der Suche nach Erklärungen u.a. auf die Entwicklungspsychologie zurückzugreifen, wie aktuell der von mir sehr geschätzte Trierer Medienblog in Only bad news are good news?

Wir werden also auch weiterhin mit schlecht recherchierten Meldungen wie auch mit Desinformation leben müssen. 

Müssen wir das?

Carl von Clausewitz jedenfalls war nicht dieser Ansicht. In dem Kapitel Nachrichten im Krieg aus seinem berühmten Buch Vom Kriege schreibt er:
Ein großer Teil der Nachrichten, die man im Kriege bekömmt, ist widersprechend, ein noch größerer ist falsch und bei weitem der größte ist einer ziemlichen Ungewissheit unterworfen. Was man hier vom Offizier fordern kann, ist ein gewisses Unterscheiden, was nur Sach- und Menschenkenntnis und Urteil geben können. Das Gesetz von Wahrscheinlichkeiten muss in leiten.  ... In der Regel ist jeder geneigt, das Schlimme etwas zu vergrößern, und die Gefährlichkeiten, welche auf diese Weise berichtet werden,ob sie gleich wie die Wellen des Meeres in sich selbst zusammensinken, kehren doch wie jene ohne sichtbare Veranlassung immer wieder von neuem zurück.
Diesen Rat sollte in den Reaktionsstuben wie auch von jedem von uns, beherzigt werden. Obgleich man die Möglichkeiten des Internets nicht überbewerten sollte, so steht doch fest, dass sich das Spektrum für jeden deutlich vergrößert hat und insofern für Ausreden kaum noch Platz ist. Davon unbenommen ist, dass auch weiterhin Fehler passieren werden, ganz einfach deshalb, weil wir nur Menschen sind. Ob Softwareagenten wie überhaupt die Verfahren der Künstlichen Intelligenz daran etwas ändern können, wage ich zu bezweifeln, wenngleich einem manchmal schon das Gefühl beschleicht, dass es kaum schlechter werden kann ;-)

Weiterer Rat kommt von Baltasar Gracián
Wie manche aus allem eine Klatscherei machen, so andere aus allem eine Angelegenheit. Immer sprechen sie ernstlich und machen eine Streitigkeit oder eine geheimnisvolle Sache daraus. Verdrießlicher Dinge darf man sich nur selten ernstlich annehmen, denn sonst würde man sich zur Unzeit in Verwicklungen bringen. Es ist sehr verkehrt, wenn man sich das zu Herzen nimmt, was man in den Wind schlagen sollte. Viele Sachen, die wirklich etwas waren, wurden zu nichts, weil man sie ruhen ließ; und aus andern, die gelegentlich nichts waren, wurde viel, weil man sich ihrer annahm. Anfangs lässt sich alles leicht beseitigen, späterhin nicht. Oft bringt die Arznei die Krankheit erst hervor. Und nicht die schlechteste Lebensregel ist: ruhen lassen. (in: Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit)

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