Mittwoch, 7. Januar 2015

Weshalb sich der "alte" Journalismus überlebt hat

Von Ralf Keuper

Vor einigen Tagen sorgte Jon Evans auf TechCrunch mit seinem Beitrag 11 Ways Old Journalism Was The Worst für einige z.T. heftige Leserkommentare. Stein des Anstosses war seine Behauptung oder Feststellung, die Journalisten würden noch immer einem Berufsbild anhängen, das sich in Zeiten des Internet überlebt habe. Vieles von dem, was als die "Gute alte Zeit" bezeichnet würde, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Mythos. Guter, investigativer Journalismus sei auch früher schon die Ausnahme und keinesfalls die Regel gewesen.

Guter Journalismus habe sich schon in der Vergangenheit dadurch ausgezeichnet, die verschiedenen Nachrichtenquellen kritisch und möglichst unvoreingenommen zu bewerten. Heute fungieren über das Internet und Microblogging-Dienste wie twitter viele "normale" Bürger selbst als Reporter. Häufig sind sie viel näher und auch schneller am Ort des Geschehens, als Journalisten; auch als Folge des Personalabbaus und schrumpfender Korrespondenznetzwerke. 

Statt investigativer Journalisten hätten Institutionen und Personen wie Wikileaks und Edward Snowden für Enthüllung gesorgt. Journalisten hätten das Thema erst dann aufgegriffen. Journalisten sollten daher von "ihrem hohen Ross" absteigen und sich wieder unter die Leute mischen, wenn sich nicht völlig den Anschluss an die mediale Wirklichkeit verlieren wollen. 

Die Reaktionen der Leser waren überwiegend negativ, was bei der Gelegenheit zeigt, dass sich die Diskussionen in den USA und Deutschland doch sehr ähneln.

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