Donnerstag, 2. April 2015

Die wundersame Wiederauferstehung des Journalismus?

Von Ralf Keuper

So kurz vor Ostern nimmt die Zahl der frohen Botschaften erwartungsgemäß zu. Jedoch - auch hier fallen einige aus dem Rahmen, da die Botschaft bei den Gläubigen zu großer Verwunderung führt. Geschehen auf dem Altpapierblog, auf dem Frank Lübberding die Leser mit der frohen Botschaft in die Osterfeiertage schickt, der Journalismus habe in den letzten Tagen eine vorgezogene Wiederauferstehung gefeiert.

Wie kam es zu diesem Wunder?

Ausgerechnet der Absturz der German Wings und die Berichterstattung im Echtzeitmodus ist für Lübberding als Zeichen für dieses Wunder zu werten. Die Vertreter seiner Zunft, die ungeprüft Meldungen wiedergegeben haben, nimmt Lübberding dabei in Schutz:
Der Bild und Kai Diekmann kann man somit nur eines vorwerfen: Dass sie offenkundig alles glauben, was ihnen Staatsanwaltschaften und deren Ermittlungsorgane so erzählen. Sie jedes kritische Denken gegenüber den Ermittlern vermissen lassen. Dass es dafür gute Gründe gibt, hat uns jetzt der Top-Ermittler Neumann mit seiner ungefragten Selbstauskunft bewiesen. Nur zur Beruhigung: Gute Journalisten haben das schon immer gewusst, übrigens auch schon vor dem Justiz-Geheimdienste-Polizei-Skandal bei den NSU-Ermittlungen.
So, so: Diekmann & Co., die Naivlinge, glauben einfach alles, was ihnen Staatsanwaltschaften und Ermittler servieren. War mir neu, dass Diekmann naiv ist ...

Auch in Haltern hätten sich die Journalisten weitgehend an die Spielregeln, den guten Ton, gehalten. Na ja, zumindest ein Schüler scheint das anders zu sehen

Wie man ausgerechnet die Berichterstattung über den Absturz der Germanwings-Maschine als Beleg für die Wiederauferstehung des Journalismus feiern kann, ist für mich völlig schleierhaft. Da gibt es - hoffentlich - bessere Beispiele.

Das Livestreaming ist für den seriösen Journalismus sicher eine Herausforderung, auf die eine angemessene Arbeitsweise zu finden, gewiss nicht einfach ist. Insofern befinden sich alle Beteiligten in einem Lernprozess.  

Für voreilige Jubelbotschaften besteht daher kein Anlass.



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