Samstag, 4. April 2015

Kann Big Data den Journalismus retten?

Von Ralf Keuper

In 10 Gründe, warum Big Data den Journalismus retten wird versucht Julia Schoessler den Nachweis zu bringen, weshalb im Journalismus die goldenen Zeiten erst noch bevorstehen.
Irgendwie drängt sich einem der Eindruck auf, als hätte die Botschaft die Medienschaffenden noch nicht erreicht. Die Kakophonie hält unvermindert an. 

Das Projekt News-Stream 3.0 versucht, so weit ich sehen kann, einige der von Schoessler formulierten Thesen in die Realität umzusetzen. 

Im Idealfall wäre es damit deutlich schwieriger, Falschinformationen zu streuen, und gezielte Propaganda zu lancieren. Auch platter PR-Journalismus hätte es deutlich schwerer, sich als objektiv auszugeben - in der Theorie.

In der Praxis dürfte das jedoch schwieriger werden. Das Geschäftsmodell der Massenmedien beruht nicht unbedingt darauf, die Leser möglichst objektiv und umfassend zu unterrichten. Sicher - auf Befragung werden selbst die Boulevardblätter für sich in Anspruch nehmen, unverfälscht zu berichten. In der Praxis jedoch würde das ihr Geschäft recht schnell unrentabel gestalten. Das Geschäft vieler Massenmedien besteht eher in der Desinformation, als in der Information. Wie sonst könnte man morgen das genaue Gegenteil von dem schreiben, was man gestern noch verbreitet hat? Wie anders ist es möglich, immer wieder dieselben Geschichten zu erzählen, obwohl die Forschung schon längst weiter ist, wie man derzeit an der Causa Heidegger beobachten kann? Würden wirklich flächendeckend Big Data - Tools zum Einsatz kommen, vor allem auf Seiten der Leser, dann wäre es mit einigen Berichtsformaten recht schnell vorbei. Jedenfalls müsste man sich rasch neue Techniken einfallen lassen. 
Im Idealfall kann der Leser auf einen historischen Datenbestand zugreifen, der ihn bestimmte Muster in der Berichterstattung erkennen lässt. Weiterhin müsste das Angebot um Funktionen ergänzt werden, die einen raschen und genauen Test der Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt, ihre Plausibilität, Evidenz hin ermöglichen. 

Eine Art Collaboration-Plattform, eine Mischung aus GuttenPlagg Wiki und Kaggle

In irgendeiner Form werden wir entsprechende Werkzeuge für Leser bekommen. Ob das allerdings wirklich so segensreich für die Branche ist, wie Schoessler meint, wird sich erst noch zeigen müssen. Letztlich stellt sich auch die Frage, wie genau wir es immer wissen wollen und müssen ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen