Samstag, 16. Mai 2015

Facebook degradiert die Medienhäuser zu Content-Lieferanten

Von Ralf Keuper

Die Kooperation namhafter Medienhäuser wie der New York Times, des Spiegel und der Bild mit Facebook stossen unter Journalisten nicht nur auf Zustimmung; zuweilen sogar auf schroffe Ablehnung, wie bei Michael Hanfeld in Bitte benutzen Sie den Lieferanteneingang

Hanfeld sieht die Gefahr, dass die Medienhäuser zu bloßen Lieferanten degradiert werden, wenn sie sich mit News-Aggregatoren wie Facebook einlassen. 
In der Tat sind die Konditionen, denen sich die Verlage unterwerfen, ein eindrucksvoller Beleg für die Marktmacht von Facebook. Nicht nur Google ist für die Verbreitung von Inhalten für die Verlage unabkömmlich geworden. 

Die klassischen Medienhäuser bekommen zu spüren, wie sich die Markt- und Machtgewichte im Mediensektor in den letzten Jahren verschoben haben. Wenngleich unter den größten Medienkonzernen der Welt die bekannten Namen in der Mehrheit sind, ist die Wachablösung bereits im vollen Gange. Sie ist eigentlich schon längst vollzogen, wie das Beispiel Facebook zeigt. Künftig wird sich dieser Trend noch deutlich verstärken, wenn die großen sozialen Netzwerk Chinas, Japans und Indiens, wie WeChat und Line ihre Reichweite bis nach den USA und Europa ausdehnen werden. Hinzu kommen noch Apple und Amazon, die weite Teile der Absatzkanäle unter ihrer Kontrolle haben. 

Die Luft für die Hersteller von Content wird dünner. Wie das Beispiel der Automobilindustrie zeigt, gibt es erstrebenswertere Geschäftsmodelle als die eines Zulieferers, wenngleich es auch hier Unterschiede gibt.

Mit der Verbreitung neuer Technologien, wie dem Cognitive Computing, wird die Lage für die Medienhäuser nicht besser. Irgendwann braucht man sie nicht einmal mehr als Lieferanten. 

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