Mittwoch, 22. Juli 2015

facebook, Apple & Co sind die neuen (digitalen) Verleger

Von Ralf Keuper

In Warum Medien aufpassen müssen macht Volker Schütz auf die Gefahren der wachsenden Verbreitung sog. Alpha Apps, d.h. digitaler Content- und Messaging-Plattformen wie Apple, Google, Amazon und facebook aufmerksam. Kaum jemand werde künftig noch im Netz gezielt die Seite einer Zeitung aufsuchen oder deren App installieren. Stattdessen geht der Leser dorthin, wo er sich bevorzugt aufhält; und das ist meistens facebook oder ein anderes soziales Netzwerk. Hier bekommen die Nutzer nicht nur den passenden Content, sondern auch weitere Angebote angezeigt, die zu ihrer Lebenswelt passen. 

In gewisser Weise übernehmen facebook, Google, Apple, Amazon aber auch die großen asiatischen Konzerne wie Alibaba, Tencent, Xiaomi, Samsung und Baidu nebenbei die Rolle des klassischen Verlegers. Sie stellen die Inhalte zusammen, erstellen ihnen sogar in manchen Fällen, und schnüren daraus ein Gesamtpaket, für das der Kunde in der einen oder anderen Weise zu bezahlen bereit ist. Die Informations- und Zahlungsströme laufen an den Medienhäusern weitestgehend vorbei. Sie bekommen einen bestimmten Anteil, über den zu verhandeln, mit wachsender Reichweite und Popularität der Plattformen, für sie immer schwieriger werden dürfte. 

Die Hoffnungen, die eigene Marke werde sich gegen die Vereinnahmung der Plattformen behaupten oder die Errichtung eigener Plattformen mit zusammen gewürfelten Angeboten sei geeignet, die großen Internetkonzernen das Fürchten zu lehren, dürfte sich als trügerisch erweisen, so sie in den Verlagshäusern gehegt werden. 

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