Sonntag, 29. November 2015

Der Stilwandel der Medien am Beispiel der "Boundary Objects" - Kooperation ohne Konsens

Von Ralf Keuper

In ihrem Beitrag Medien der Kooperation. Überlegungen zum Forschungsstand bringen Erhard Schüttpelz und Sebastian Gießmann den Begriff der "Boundary Objects", "Grenzobjekte" in die Diskussion:
Der Begriff des »boundary object« ist ein fundamentaler sozialtheoretischer und ein ebenso aufschlussreicher medientheoretischer Begriff. Er bezeichnet die Modalität, wie »Kooperation ohne Konsens« zwischen heterogenen technischen und sozialen Praktiken, Gruppen und Interessen möglich wird. Grenzobjekte sind solche Objekte, die in einer lokalen Anwendung präzisiert und zweckgerichtet verwendet werden, aber zugleich in einer umfassenderen Zirkulation zur Verfügung stehen, ohne ihre Identität dabei zu verlieren. Die durch »boundary objects« ermöglichte »Kooperation ohne Konsens« hält Organisationen und Institutionen am Laufen und ruft sie zum Teil sogar erst ins Leben (während das Einklagen von Konsens diesen oft erst gefährdet). 
Das ist ein hoch interessanter Hinweis. Hier bestehen nach meinem Dafürhalten deutliche Überschneidungen zur Medienphilosophie von Gilbert Simondon und seinem Verständnis technischer Objekte, wie es auf diesem Blog in Die zentrale Rolle technischer Objekte im Medienwandel bereits ein Thema war. Folgendes Zitat verdeutlicht m.E. die nahe Verwandtschaft zwischen Grenzobjekten und Technischen Objekten:
... das konkrete technische Objekt ist dasjenige, das nicht mehr mit sich selbst kämpft, jenes, in dem keinerlei Sekundäreffekt der Funktionsweise des Ensembles schadet oder außerhalb dieser Funktionsweise verbleibt. Auf diese Weise und aus diesem Grund kann im konkret gewordenen Objekt eine Funktion durch mehrere synergetisch assoziierte Strukturen erfüllt werden, während im ursprünglichen und abstrakten technischen Objekt jede Struktur damit betraut ist, eine festgelegte Funktion zu erfüllen, und im Allgemeinen eine einzige (in: Die Existenzweise technischer Objekte)
Mit Blick auf die Entwicklungen im sog. Internet der Dinge und der Digitalen Identitäten wäre eine Kombination der beiden Ansätze besonders fruchtbar für das bessere Verständnis des Stilwandels, der sich momentan in den Medien vollzieht. 

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