Samstag, 31. Oktober 2015

Die Musikindustrie der Zukunft: Eine Mischung aus Kunst und Technologie?

Von Ralf Keuper

Wenn es nach dem Gründer von Beats, Jimmy Iovine, geht, dann wird die Musikindustrie ihr Gesicht in den nächsten Jahren nochmals deutlich wandeln. In Zukunft werde nicht mehr der Popstar die Massenkultur dominieren, sondern die gemeinsame Erfahrung, der Hörgenuss. Hierfür ist Technologie der Schlüssel. Für die heranwachsende Generation sei Technologie ein Kulturgut (Nach Ernst Cassirer ist die Trennung von Kultur und Technologie ohnehin künstlich). Insofern gehe es darum, die Verbindung zwischen den Hörern und den Musikern durch Technologie wiederherzustellen bzw. zu festigen, wie eben mit den Beats-Kopfhörern oder den Musikstreaming-Diensten wie Spotify oder Apple Music. So berichtet Wired in seiner aktuellen Ausgabe in dem Beitrag Tonkopf.  Sein Credo fasste Iovine kürzlich auf einer Veranstaltung in die Worte:
The media business needs to have tech people and give them stripes and the tech businesses needs to give media people stripes. .. Or it’s going to keep being the Star Wars bar in Tatooine.
In gewisser Hinsicht Gegenpol zu Iovine und Beats ist Bose, wo man an dem perfekten Klangerlebnis, wie es von Gründer Amar Gopal Bose postuliert wurde, festzuhalten gedenkt. Vor einiger Zeit kamen Berichte auf, wonach Bose selber den Einstieg in das Streaming-Geschäft plane. Seine Geräte hat das Unternehmen jedenfalls schon an die neuen Hörgewohnheiten angepasst und erntet damit anerkennende Worte, wie in The immaculate connection:  Bose has just made streaming music over Wi-Fi easier than ever – without breaking the bank.

Weitere Informationen:


Montag, 19. Oktober 2015

Recht auf Vergessenwerden im Zeitalter des Prominentenwahns

Von Ralf Keuper

Es ist irgendwie paradox: Während die einen (fast) alles zu tun bereit sind, um auch nur für einen Moment prominent zu sein, sind andere sehr darauf bedacht, unter keinen Umständen in die Schlagzeilen zu geraten oder auch nur irgendwie einem größeren Publikum bekannt zu werden. 

Im Internet werden Selfies am laufenden Band produziert. Da wirkt es irgendwie befremdlich, dass Nutzer auf ihrem Recht auf Vergessenwerden bestehen. Wäre es doch manchmal umgekehrt ;-)

Legendär sind die Schrullen von Milliardären, wie der Gebrüder Albrecht (Aldi) und der Familie Brenninkmeyer (C&A), denen es ein Graus war bzw. ist, ihren Namen in der Zeitung, einem Klatschblatt oder in den sozialen Netzwerken zu lesen; womöglich noch mit Details aus ihrem Privatleben.

In seinem Buch Die Revolution des Spießertums.Wenn Dummheit epidemisch wird schrieb Holger Rust über den Prominentenwahn: 
Ein anderes Ritual des Spießers ist sein Prominentenwahn. Normalerweise ist ja Prominenz etwas Erworbenes, etwas, das mit außergewöhnlicher Leistung zu tun hat. Beim Prominentenwahn ist das nicht mehr so. Da werden die Auserwählten am Fließband produziert. Denn in einem sich „explosionsartig ausbreitenden Medienuniversum“ - in den „Nullmedien“ - fordert der Konkurrenzkampf ständig das neue Sensationelle. Und das behält dennoch immer seine alten Inhalte. Die stets alten und neuen Prominenten werden zu den Exhibitionisten, zu „Hunderten von nichtssagenden Komparsen und Komparsinnen“, die als „Stars auf den Seiten einer aufgekratzten Journaille“ konkurrieren: die Models und Moderatoren und die Politiker - Claudia Schiffer, Verona Feldbusch, Hiltrud (Hillu) Schröder, Birgit Schrowange, Arabella Kiesbauer und Nina Ruge, um nur einige der wechselnden Berühmtheiten zu nennen. Das Publikum, der Voyeur, ist begeistert. Das Leben ist eine „Klatschrunde“.
Das Autoren-Duo Carlo Fruttero und Franco Lucentini prägte in dem Zusammenhang den Begriff des Prominentenproletariats

Gut möglich, dass wir angesichts dessen irgendwann ein Grundrecht auf Nicht-Prominez bekommen ;-)

Exhausting a Crowd, oder: Überwache die anderen - und damit irgendwie auch dich selbst

Von Ralf Keuper

Dass man sich dem Thema Überwachung auch mit künstlerischen Mitteln nähern kann, belegen derzeit zahlreiche Projekte und Initiativen, unter denen exhaustingnacrowd.com eine Sonderstellung einnimmt. 

Wired schreibt dazu in der Printausgabe vom Oktober 2015:
Die Seite ist ein Projekt des New Yorker Künstlers Kyle McDonald, die CCTV-Kamerabilder sind nicht live, sondern ein zwölf Stunden dauernder Loop. Auch wenn viele User der Website die Passanten mit Witzkommentaren taggen, wird einem dieses heimliche Zusehen schnell unheimlich. Denn man nimmt ja die Perspektive derjenigen ein, deren Job darin besteht, solche Bilder tatsächlich im Verborgenen auszuwerten: Wir, die wir im Alltag oft genug von Kameras Beobachtete sind im öffentlichen Raum, werden zu Beobachtern. Und entlarven uns mit unseren Kommentaren über die von uns nun Beobachteten. Meta!

Sonntag, 18. Oktober 2015

Medienwandel: Ein Blick zurück auf die letzten Wochen #20

Von Ralf Keuper

Anbei eine Auswahl von Beiträgen aus dem Bereich Medien, die mir in den vergangenen Tagen/Wochen aufgefallen sind:

Freitag, 16. Oktober 2015

Cinefix - Retro-Kino in kleinen Clips auf Youtube

Von Ralf Keuper

Retro ist mal wieder in. Beispielhaft dafür ist der Youtube-Kanal Cinefix, auf dem man sich informative Filmclips über Klassiker anschauen kann, wie etwa über die Krimiserie Lupin III


Über ihren Medienkanal schreiben die Macher:
CineFix is the ultimate destination for true movie buffs & filmmakers on YouTube. We are filmmakers, writers, directors, animators and our goal is to entertain, inform and inspire. We provide dynamic original programming, in-depth interviews with new and established filmmakers and actors, and unique rants, raves and reviews about the world of filmed entertainment.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Sonifikation, oder: Der Klang der Daten

Von Ralf Keuper

Haben Daten ihren eigenen Klang? So esoterisch, wie es sich im ersten Moment anhört, ist das nicht. Es gibt sogar eine eigene Forschungsrichtung, die sich mit diesem Phänomen, dem Klang der Daten, beschäftigt: Die Sonifikation

Hier eine Auswahl von Beiträgen zu diesem Forschungsgebiet: 

Samstag, 10. Oktober 2015

Flüchtlinge: Vorbild Schweiz?

Von Ralf Keuper

In den Diskussionen darüber, wie Deutschland in der Flüchtlingskrise verfahren sollte, wird als Vorbild häufig die Schweiz genannt. 

Was hat es damit auf sich?

Aus diesem Grund eine (subjektive) Auswahl von Beiträgen, die sich mit den Vor- und Nachteilen der Flüchtlingspolitik der Schweiz beschäftigen:
Die Schweiz ist als Vorbild für Deutschland nur bedingt geeignet. Das liegt zum einen an der geografischen Lage, zum anderen aber auch an der Größenordnung und der unterschiedlichen geopolitischen Bedeutung der Länder. Hier sind Großbritannien und Frankreich besser geeignet, was nicht zwangsläufig heißt, dass man nicht einige Elemente der Schweizer Flüchtlingspolitik übernehmen kann. 

Die Schattenseiten der Datengläubigkeit

Von Ralf Keuper

Wer die verschiedenen Beiträge liest, in denen das scheinbar grenzenlose Potenzial der Datenauswertungstechnologien gepriesen wird, den überkommen manchmal Zweifel, ob das Paradies diesmal wirklich so nah ist. 

Von ähnlichen Zweifel ist der, was die Einsatzmöglichkeiten von Big Data betrifft, ansonsten kaum zur Zurückhaltung neigende Greg Satell geplagt, die er sich in The Downsize of Data von der Seele schreibt. 

Für Satell stellt sich das Problem wie folgt dar:
It’s relatively easy to collect information, aggregate it and apply algorithms to derive insights, but much harder to understand where the data comes from, what type of analysis is being applied and what types of error are involved. Insights, even when powered by impressive technology, never come easy. To get full value from data, we must understand its downside.
Die Schattenseiten erläutert Satell an mehreren Beispielen, wie u.a. an den abweichenden Bestandszahlen in den Systemen und den realen in den Lagern und Geschäften: 
Yet in one study it was found that 65% of a retailer’s inventory data was inaccurate. In other cases, products are in the store, but not where they are supposed to be. Often, these discrepancies lead to inaccurate assessment of product demand, because customers are looking for products that they can’t find. The world can be a very messy place. 
With such sophisticated systems, it seems unbelievable that these kinds of errors would be so pervasive. However, when you treat people as mere data points, pay them poorly, neglect their working conditions and cut back on training to save money, data quality suffers. Is it any wonder that overworked, poorly treated, ill-trained employees make mistakes?
Cognitive scientists call this problem the availability bias and it is data’s achilles heel. We tend to give more weight to information that is readily available—such as numbers floating across a computer screen back at headquarters—and less to that which is harder to come by, like the day-to-day realities involved in everyday store operations.
Allzu häufig werde übersehen, so Satell, dass Daten von Menschen interpretiert werden müssen, um die richtigen Handlungen daraus ableiten zu können:  
Yet with all the wonderful tools that we now have to capture, store and analyze data, we often forget that we need to do our part. The great gift of the digital age is that we can now effectively collaborate with immensely powerful machines and extend our human faculties farther than McLuhan had ever imagined. Still, all that is for naught if we cut ourselves out of the process.
Da kann man mit Ted Levitt hinzufügen:
The faster and more acrobatically the computer can perform, the greater the necessity that its presumed beneficiaries must first think about what it's all for. (Thinking About Management)