Samstag, 17. Dezember 2016

Recognition – The A.I. Connecting Art to Everyday Life


Over three months, Recognition will create an ever-expanding virtual gallery by searching through Tate’s collection of British art and archive material online, comparing artworks with news images from Reuters based on visual and thematic similarities twenty-four hours a day. Making unforeseen comparisons across history, geography and culture, the result will be a time capsule of the world represented in diverse types of images, past and present. Quelle: IK PRIZE 2016: RECOGNITION
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Sonntag, 11. Dezember 2016

Das neue Propagandazeitalter?

Von Ralf Keuper

Am vergangenen Wochenende sorgte der Beitrag Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt für einiges Aufsehen. Demnach geht der Wahlerfolg von Donald Trump zu großen Teilen auf eine ausgeklügelte Digital-Strategie zurück. Ohne die Technologie von Cambridge Analytica, die Verfahren der Psychometrik verwendet, wäre der Erfolg so nicht möglich gewesen. Wir seien Zeugen einer neuen Stufe der Politpropaganda. 

Es gibt jedoch auch Stimmen, die den Vorgang nüchterner beurteilen.

Hier nun eine kurze Aufstellung von Beiträgen, die sich mit diesem relativ neuen Phänomen beschäftigen:
In dem Beitrag Im neuen Propagandazeitalter in der FAZ vom 6.12.2016 schreibt Matthias Müller von Blumencorn:
Die Zukunft der politischen Kommunikation zeichnet sich bereits ab. Sie wird sich parallel zu den Technologien entwickeln, die für die Welt der Online-Vermarktung oder der Online-Medien absehbar sind. Alles deutet auf eine weitere Personalisierung in Ansprache und Information hin. Wie bei so vielen neuen Entwicklungen ist die Technologie neutral, nicht mehr als ein immer intelligenteres Werkzeug. Entscheidend ist, mit welcher Intention sie eingesetzt wird: im Dienste echter Aufklärung, zu gewöhnlicher Werbung, mit der klaren Absicht, politische Propaganda zu verbreiten, oder mit einer desinformatorischen Intention, um einen Staat oder eine Gesellschaft zu destabilisieren. Genutzt werden kann sie als nützliches Tool wie als destruktive Waffe. 
Als der Begründer der modernen Propaganda gilt übrigens Edward Bernays, ein Neffe von Sigmund Freud. Lesenswert in dem Zusammenhang ist Der erste Verdreher. Edward L. Bernays gilt als Vater der Propaganda. Kein Wunder: Sigmund Freud war sein Onkel.

Freitag, 2. Dezember 2016

Textkünste - Die Erfindung der Druckseite um 1500

Von Ralf Keuper

Die Ausstellung Textkünste - Die Erfindung der Druckseite um 1500 in der Universitätsbibliothek Leipzig widmet sich den Anfangsjahren des Buchdrucks, wie am Beispiel der berühmten Luther-Bibel.  

Andreas Platthaus schreibt in Die Erfindung der freundlichen Seiten in der FAZ vom 14.12.16 dazu: 
Wie Fußnoten in die Welt kamen, Überschriften, Register, Inhaltsverzeichnisse oder eben Seitenzahlen, wo sie jeweils standen und wie sie zur heute noch gültigen Form fanden, das alles zeigt die Leipziger Ausstellung, und im Buch lässt es sich vertiefend nachlesen. "Textkünste" ist das heute selten gewordene Beispiel einer intellektuellen Ausstellung, die nicht vorrangig auf Optik setzt, obwohl die alten Folianten auch ein Augenschmaus sind. Dass die Präsentation auf besonders große Neugier des Publikums zu stoßen scheint, sollte den Machern Ermutigung sein. In der Buchgestaltungsgeschichte gibt es noch viele Entdeckungen zu machen. 

Sonntag, 6. November 2016

Der wiedererwachte Traum von der "Bibliotheca Universalis" - Das totale Wissen im digitalen Zeitalter

Von Ralf Keuper

Im Jahr 2000 veröffentlichte Peter Haber in der NZZ den nach wie vor lesenswerten Text Der wiedererwachte Traum von der "Bibliotheca Universalis" - Das totale Wissen im digitalen Zeitalter. Aufhänger waren die zu dem Zeitpunkt zahlreichen Initiativen, das Wissen der Welt zu digitalisieren. Haber erblickte darin die Wiederbelebung der Idee der Bibliotheca Universalis von Konrad Gesner. Obgleich die technischen Möglichkeiten seither gewachsen sind, seien die Erfolgsaussichten heute ebenso gering wie damals. 

Hier einige Auszüge: 
Mit dem Buchdruck bahnte sich schliesslich eine neue Stabilität des Wissens an  - die "typographische Persistenz", wie Elizabeth Eisenstein es genannt hat. Die moderne Technik der Reproduktion ersetzte dabei im "Typographenum" (Michael Giesecke) die handschriftlichen Unikate durch ubiquitär verfügbare Wissensspeicher mit identischem Inhalt. Konrad Gesners Versuch, das Wissen seiner Zeit in vier Bänden zu erschließen, war ein erster Versuch eine virtuelle Bibliothek zu erschaffen. ... 
Mit der Zuteilung der einzelnen Artikel zu bestimmten Bereichen innerhalb seiner Wissenschaftsarchitektonik führte d'Alembert in seiner eigenen "Encyclopédie" diese Idee der "Hyperlinks" weiter und schuf so das wohl erste umfassende Hypermediasystem der Welt. ... 
Es gibt noch Dutzende ähnlicher Projekte - doch die Frage, die Demetrios von Phaleron und Konrad Gesner ebenso beschäftigte wie d'Alembert, die Frage nämlich, wie sich das Wissen der Welt strukturieren und vor dem Vergessen bewahren lässt, können weder die "Bibliotheca Univeralis" der G-7 noch die unzähligen anderen Digitalisierungsprojekte beantworten. Das scheinbar Allumfassende des Internet und die unbeschränkten Speichermöglichkeiten digitaler Medien erinnern an den Traum von Alexandria, die Schaffung der totalen Bibliothek.

Samstag, 29. Oktober 2016

Der Stilwandel der Medien #14

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Sonntag, 16. Oktober 2016

Plädoyer für ein Bürgerliches Gesetzbuch für Daten (Günther Oettinger)

Ich plädiere daher dringend für ein Bürgerliches Gesetzbuch für Daten. So wie das BGB etwa Eigentum, Besitz und Mietrecht an beweglichen und unbeweglichen Dingen klar regelt, brauchen wir ein BGB für das digitale Zeitalter, in dem die Fragestellungen zu Rechten an Daten umfassend geklärt werden. Auf welcher Ebene dies geschieht, liegt auf der Hand. Wenn die automatisierte Zulieferung oder die vorhersehende Wartung über Landesgrenzen hinweg organisiert wird, und davon gehe ich aus, dann brauchen wir eine solche Rechtsordnung für das digitale Zeitalter auf EU-Ebene und nicht auf nationaler oder gar regionaler Ebene. 
Quelle: Wem gehören die Daten? in der FAZ vom 14.10.2016 

Weitere Informationen:

Oettinger will „virtuelles und digitales Sachenrecht, das auch für Daten gilt“

Wem gehören die Daten im Auto?

Digitales Gemeinwohl durch faire Datenpolitik

Samstag, 15. Oktober 2016

An identity layer for the internet

Von Ralf Keuper

Bei all seinen Vorzügen - das Internet hat einen Webfehler, der immer deutlicher zum Vorschein kommt. Gemeint ist damit der fehlende identity layer. Folge davon ist u.a., dass die Nutzer sich bei jedem Dienst, den sie im Internet nutzen, anmelden und die Passwörter verwalten müssen. 
Im Jahr 2005 machte sich Kim Cameron, Architect of Identiy, bei Microsoft in The Laws of Identity einige Gedanken dazu, wie sich das Dilemma der verteilten Identitäten der Nutzer im Netz beheben lässt. 

Cameron stellt darin die Frage, warum es so schwierig ist, einen Identity Layer für das Internet zu bauen, wobei er die Frage umgehend selbst beantwortet: 
Why is it so hard to create an identity layer for the Internet? Mainly because there is little agreement on what it should be and how it should be run. This lack of agreement arises because digital identity is related to context, and the Internet, while being a single technical framework, is experienced through a thousand kinds of content in at least as many different contexts – all of which flourish on top of that underlying framework. The players involved in any one of these contexts want to control digital identity as it impacts them, in many cases wanting to prevent spillover from their context to any other.
Die sozialen Netzwerke wie facebook, ebenso wie der Suchmaschinengigant Google oder der Technologiekonzern Apple haben mit der Zeit einen Wallet Garden um die Nutzer errichtet, d.h. die Nutzer können mit ihrer digitalen Identität die Dienste der Unternehmen relativ komfortabel nutzen, sobald sie jedoch das Spielfeld wechseln, sind sie gezwungen, erneut einen Anmeldeprozess zu durchlaufen.  

Nötig sei, so Cameron, die Entwicklung eines unifying identity metasystems: 
We need a unifying identity metasystem that can protect applications from the internal complexities of specific implementations and allow digital identity to become loosely coupled. This metasystem is in effect a system of systems that exposes a unified interface much like a device driver or network socket does. That allows one-offs to evolve towards standardized technologies that work within a metasystem framework without requiring the whole world to agree a priori.
In Zukunft werden die Nutzer sich mit verschiedenen Digitalen Identitäten im Netz bewegen; jede abgestimmt auf den jeweiligen Kontext:

  • browsing: a self-asserted identity for exploring the web (giving away no real data)
  • personal: a self-asserted identity for sites with which I want an ongoing but private relationship (including my name and a long-term email address)
  • community: a public identity for collaborating with others
  • professional: a public identity for collaborating issued by my employer 
  • credit card: an identity issued by my financial institution
  • citizen: an identity issued by my government

Kürzlich ist eine Initiative an den Start gegangen, welche die Laws of Identity zu berücksichtigen versucht: Die Sovrin Foundation

In ihrem Whitepaper The Inevitable Rise of Self-SovereignIdentity heisst es u.a.:
The next evolution of the Internet will be the creation of a common identity layer that allows people, organisations and things to have their own self-sovereign identity—a digital identity they own and control, and which cannot be taken away from them. Self-sovereign identity is the natural evolution of an ecosystem which has moved faster than its supporting capabilities.
Weitere Informationen: 

The Identity Manifesto

Samstag, 8. Oktober 2016

Digitalisierung und die Autonomie der Kunst (Vortrag von Dirk Baecker)

Die aktuellen Prozesse definieren eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte. Erstmals sind globale Verknüpfungen in Lichtgeschwindigkeit rund um den Erdball möglich. Und erstmals beteiligen sich Maschinen mit einem enormen Gedächtnis, mit schnellen und lernfähigen Algorithmen und einer grenzenlosen Konnektivität an der menschlichen Kommunikation. 
Dieser menschheitsgeschichtliche Einschnitt ist nur mit drei Ereignissen einer ähnlichen Tragweite vergleichbar: mit der Entwicklung der Sprache vor ca. 50.000 Jahren, der Entwicklung der Schrift vor ca. 8.000 Jahren und der Entwicklung des Buchdrucks vor 600 Jahren. Über diese Themen sprach Prof. Dr. Dirk Baecker, Dekan der Fakultät für Kulturreflexion an der UW/H, beim 9. Kulturpolitischen Dialog im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport am 30. September 2016 in Düsseldorf. Quelle: Künste 4.0

Freitag, 30. September 2016

Die legendäre Informations-Ausstellung im Museum of Modern Art im Jahr 1970

Von Ralf Keuper

Im Jahr 1970 wurde im Museum of Modern Art in New York die inzwischen legendäre Informations-Ausstellung ausgerichtet. In der Pressemitteilung heisst es zur Motivation der Ausstellung: 
"Many of the highly intellectual and serious young artists represented here have addressed themselves to the question of how to create an art that reaches out to an audience larger than that which has been interested in contemporary art in the last few de - cades ..  Their attempt to be poetic and imaginative, without being either aloof or condescending, has led them into the communications areas that INFORMATION reflects." The only common denominator is that all are trying to extend the idea of art beyond traditional categories. 
Der Künstler Joseph Kosuth wird darin mit den Worten zitiert: 
In a sense then art becomes as "serious" as science or philosophy, which don't have ''audiences" either. It is interesting or it isn't, just as one is informed or isn't. Previously, the artist's ''special" status merely relegated him into being a high priest (or witch doctor) of show business... This conceptual art, then, is an inquiry by artists that understand that artistic activity is not solely limited to the framing of art propositions, but further, the investigation of the function, meaning, and use of any and all (art) propositions, and their consideration within the concept of the general term "art.'' 
Every unit of an (art) proposition is only that which is functioning with a larger framework (the proposition) and every proposition is only a unit which is functioning within a larger framework (the investigation) and every investigation is only a unit which is functioning within a larger framework (my art) and my art is only a unit which is functioning within a larger framework (the concept "art") and the concept art is a concept which has a particular meaning at a particular time but which exists only as an idea used by living artists and which ultimately exists only as information.
In dieser Form wohl zum ersten Mal thematisierten die Künstler die Verbreitung neuer Kommunikationstechnologien: 
The increasing use of the mail, telegrams, and telex machines for transmission of I works themselves and of ideas is represented in the work of many artists in the exhibitioi j Christine Koslov shows only a telegram; N. E. Thing, Co., Ltd., (Ian Baxter, President), i is transmitting images from Canada by telex and telecopier into the galleries during the I run of the show, as well as exhibiting 27 photographs of ART (aesthetically rejected thin I and ACT (aesthetically claimed thing).
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Recognition – The A.I. Connecting Art to Everyday Life

Samstag, 24. September 2016

Netzwerk der Aufklärung: suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw)

Auszug aus einem Interview der FR vom 8.09.1998 mit dem damals verantwortlichen Lektor der suhrkamp taschenbuch wissenschaft - Reihe, Friedhelm Herborth. Anlass war das 25jährige Bestehen von suhrkamp taschenbuch wissenschaft (stw).
Frage: Worin unterscheidet sich die "stw" von anderen Reihen, auch aus ihrem Hause? 
Antwort: Die "stw" wurde aus der allgemeinen Taschenbuchreihe "st" ausgegliedert. Ursprünglich sollte das Gesamtprogramm des Verlages im Taschenbuch widergespiegelt, also überwiegend gebundene Bücher verwertet werden. In der "stw" kamen dann immer mehr und mehr Originalausgaben hinzu, die heute etwa 80 Prozent des Programms ausmachen. Eine wichtige Funktion besteht darin, neue Gebiete zu erschließen, auf denen noch keine Monographien existieren. Das waren früher die sogenannten "Seminar-Bände", heute sind es neben den Monographien gut konzipierte Sammelbände, die unterschiedliche Perspektiven verschiedener Disziplinen zusammenbringen. Nicht selten werden Tagungen im Hinblick auf einen stw-Bank konzipiert.  
Frage: Planen Sie Änderungen für die Zukunft?

Antwort: Veränderungen im Programm ergeben sich aus den Entwicklungen in den einzelnen Wissenschaften. Die "stw" funktioniert deshalb so gut, weil sie sich aus einem inhaltlichen Netzwerk über Themen und das Grundinteresse am "Projekt der Aufklärung" generiert, das als unabgeschlossener Prozess ja nichts Statisches ist, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten das Beste herauszufiltern versucht. Der internationale Ruf der "stw" beruht ja nicht auf Personen und Seilschaften, sondern auf diesem inhaltlichen Kristallisationskern. 
Frage: Die Umschlagszeiten auf dem Buchmarkt werden immer kürzer, andere Verlage fahren ihre Wissenschaftsproduktion drastisch zurück. Machen Ihnen die Engpässe auf dem Markt nicht auch zu schaffen?

Antwort: .. In der Wissenschaft gibt es eine selbstdestruktive Tendenz, Bücher als Saisonartikel zu betrachten. Innovative wissenschaftliche Bücher brauchen oft Jahre, bis sie in ihrer Bedeutung erkannt und anerkannt werden; es gibt Bücher, die nach zehn Jahren im Verkauf noch ansteigen. Die Reihe lebt davon, dass ein großer Teil der Titel auf längere Sicht Interessenten findet. 

Das Buchwunder der Brüder Limburg

Von Ralf Keuper

Von einem bedeutenden kunst- und mediengeschichtlichen Fund berichtet die FAZ in  Das Buchwunder der Brüder Limburg. Dabei handelt es sich um das vierte Buch aus der Hand der Brüder von Limburg, das erst im Jahr 2013 in den Archiven der Adelsfamilie Castelneau entdeckt wurde. 

Was dieses Buch für die Kunstgeschichte so wertvoll macht, beschreibt Andreas Platthaus:
Es sind keine Illuminationen, also Buchmalereien, sondern allerfeinst ausgeführte Tintenzeichnungen. Vor allem die Architekturelemente sind angesichts der winzigen Fläche von einer solchen Akribie, dass sie als bloße Unterzeichnungen für eine spätere Illuminierungskampagne kaum denkbar sind. Tatsächlich gab es seinerzeit das Genre des portrait d’encre, der Zeichnung als vollwertigen Kunstwerks. Viel spricht dafür, dass die Bilder dieses Buchs nie ausgemalt worden wären.
Die Buchkunst der Brüder von Limburg ist ein Beispiel für den sog. Weichen Stil, als Übergang von der Gotik zur Renaissance. Der Weiche Stil gilt überdies als Keimzelle einer eigenständigen nordeuropäischen Kunst. 

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Samstag, 17. September 2016

Goethes Zeitschrift "Ueber Kunst und Alterthum" als Vorläufer des Blogs

Von Ralf Keuper

In dem Beitrag Goethe war hier in der FAZ vom 9.09.2016 berichtet Patrick Bahners von der Ausstellung Von den „Rhein und Mayn Gegenden“ zur Weltliteratur. Goethes Zeitschrift ‚Ueber Kunst und Alterthum’ des Freien Deutschen Hochstifts. Die Zeitschrift, deren sechs Bände von 1816 bis 1832 veröffentlich wurden, verwendete ein für die damalige Zeit neuartiges Format, das dem des Blogs schon sehr nahe kam: 
Thematische Offenheit, fortlaufendes, aber unregelmäßiges Erscheinen, Leserbindung durch das Interesse am Autor. Mit diesen Eigenheiten weist das Unternehmen voraus auf ein Institut der heutigen Literaturproduktion, den Blog. Die lockere Form machte es Goethe möglich, zu ästhetischen Zeit- und Modephänomenen ebenso beiläufig Stellung zu nehmen. Eine Serie von Artikeln unterschiedlichen Inhalts, die nur der Geschmack des Verfassers verbindet: Das Format erscheint anspruchslos, aber sein Witz liegt im Verzicht auf ostentative Programmatik, durch den sich Goethe taktische Spielräume erhielt. Kritik als Gebrauch des Unterscheidungsvermögens schloss hier die Wahl des jeweils opportun erscheinenden Mittels der Auseinandersetzung ein. Mehr als ein Heft von Bemerkungen über Kunst und Altertum herauszubringen, das hieß, dass der Leser keine letzten Worte des Verfassers vor sich hatte, aber auch, dass die erörterten Gegenstände nicht unbedingt das Nonplusultra ihrer jeweiligen Sphäre waren. 

Wir brauchen den europäischen Digitalpakt

Die Krise der Handelsverhandlungen sollten dazu führen, dass wir uns als Europäer endlich zusammenfinden und selbstbewusst auf die eigenen Stärken konzentrieren. Dazu braucht es einen europäischen Digitalpakt, der die hohen Standards für Produkte und Dienstleistungen im eigenen Markt mit einer massiven Förderung der Unternehmen verbindet, die diese Standards als Wettbewerbsvorteil nach vorne stellen und damit IT-Sicherheit, Datenschutz, Verbraucherfreundlichkeit, kulturelle Vielfalt, offene Standards und viele andere ethisch, sozial und ökologisch verträgliche Produkte und Dienstleistungen made in Europe weltweit exportieren. Ein Digitalpakt, der die Menschen mitnimmt in ein digitales Europa, das mehr gemeinsam macht und damit in der Lage ist, die europäischen Werte und die Interessen der Bürger, Verbraucher und Unternehmen zu verteidigen. 
Quelle: Jan Philipp Albrecht: Wir brauchen den europäischen Digitalpakt, FAZ vom 6.09.2016, S. 15

Samstag, 10. September 2016

Micropayments als Retter der Medienbranche

Von Ralf Keuper

Können Micropayments so etwas wie der Rettungsanker für die Geschäftsmodelle der Medienbranche sein? Diese Frage wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert.

Hier eine Auswahl von Beiträgen:
Auf ein wesentliches Problem bei der Verwendung von Micropayments als (Haupt-)Einnahmequelle macht Terry Flew in Ad blockers are here to stay, micropayments less so aufmerksam:
But the providers of quality content typically require a stable source of income – the “gig economy” model is less likely to work for detailed analysis of a subject than it is for quick, real time reporting on particular event. .. And for that kind of work, they require either cash up front, or the security of other forms of full-time employment (a news organisation, a university etc.). The personal risks of doing such stories in the subsequent hope that people will pay for them are simply too great. This is one of the reasons why the situation for public service media is better, not worse, than it was two decades ago. We have seen how vulnerable the business models of commercial media have turned out to be, in terms of generating content, attracting paying consumers, and being able to recruit and retain talent.

Mittwoch, 7. September 2016

Virtual Reality - 360 Grad-Videos: Medienkunst auf dem EMAF 2016



Rico Chibac, Creative Director der EMAF, auf die Frage, wozu Virtual Reality in der Zukunft noch fähig ist:  
Tatsächlich glaube ich, auf lange Sicht werden die Brillen überhaupt keine Rolle spielen. ... Im Moment sind sie ja nur das nötige Mittel und die Schnittstelle zwischen uns Menschen und der virtuellen Realität .. und diese Schnittstelle wird halt immer mehr verschwimmen, und deswegen wird das Element der VR-Brille .. wahrscheinlich in naher Zukunft schon wieder überholt sein und durch eine Kontaktlinse ersetzt oder durch eine Projektion direkt auf die Iris. 

Samstag, 3. September 2016

Der Stilwandel der Medien #13

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Samstag, 20. August 2016

Brauchen wir ein Digitalgesetz?

Von Ralf Keuper

In der FAZ (Printausgabe) vom 17.08.2016 fordert Markus Runde die Einführung eines Digitalgesetzes. Mittlerweile sei es den Bürgern kaum noch möglich, sich dem Einfluss einiger weniger Digitalisierungsunternehmen, wie Google oder facebook, zu entziehen, ohne dass man zuvor sein Einverständnis gegeben hätte bzw. danach explizit gefragt worden wäre:
In welchem gegenseitigen Verhältnis stehen wir aber zu den Monopolen weniger Digitalisierungsunternehmer? Haben wir ein Ergebnis über den Umfang gefunden, in dem wir eine Digitalisierung an uns zulassen? Haben wir diesen Unternehmen unsere Stimme gegeben...?
Die Digitalisierungsunternehmen verfolgen ihr Eigeninteresse, ohne allzu große Rücksicht auf das Gemeinwohl zu nehmen. Gewinnmaximierung ist das Gebot:
Jedes dieser Unternehmen ist ausschließlich den Eigentümerinteressen, der Gewinnmaximierung verpflichtet. Das "Netz" als Instrument der Teilhabe aller ist eine große sozialromantische Verklärung. Für unsere Daten erhalten wir keine Gegenleistung, nicht einmal eine Antwort auf unsere Suchanfragen, sondern nur Impulse, die zu unseren Nutzerprofilen passen und sich für Digitalunternehmer bestmöglich kommerzialisieren lassen. Wir werden verändert: Der unaufgeklärte Mensch wird verändert, da er die Digitalisierung nur mit der "Schere im Kopf" nutzt, im Bewusstsein der dauernden Überwachung und Verwendung der Daten über ihn. Die Digitalunternehmer nehmen diese Veränderung an uns vor. Sie reduzieren uns auf Google- und Facebook-Datenwerbeprofile. Die Aufarbeitung und algorithmische Deutung unserer Suchanfragen, ihre Profile von uns, führen über zu immer verengteren Kreisen und Impulsen, deren selbstreferenzieller Charakter uns determiniert. Wir werden um jedes Korrektiv unserer immer auch einseitigen Interessen gebracht, korrigierende Informationen und abweichende Meinungen werden uns immer weniger zugänglich gemacht.
Der Autor spricht zum Schluss des Absatzes das Phänomen der Filterbubble an. Die Frage ist jedoch, ob es nicht auch ohne Filterbubble dabei bliebe, dass die meisten von uns sich die Informationen und Meinungen suchen würden, die zu unserem Weltbild passen. 
Scheinbar reichen Runde die Bestimmungen der GDPR nicht aus, um die Informationelle Selbstbestimmung der Menschen zu sichern.

Runde fordert daher den Erlass eines Digitalgesetzes. Darin würden Digitlaisierungsunternehmen wie Amazon und Google dazu verpflichtet, eine Art Beipackzettel ihrer Angebote zu veröffentlichen. Bestandteile dieses Beipackzettels wären u.a. folgende Erläuterungen/Hinweise:

  • dass jede Nutzung der digitalen Oberflächen ggf. mit persönlichen Daten bezahlt wird
  • dass Werbeprofile jedes Nutzers erstellt werden, um von den Digitalunternehmen mit hohem Gewinn u.a. an die werbetreibende Industrie veräußert werden. ..
  • wie sich vorangegangene Datenlieferungen der "Nutzer" im Rahmen von Bestellungen, Einträgen, digitalen Tätigkeiten jeder Art auf die aktuelle Profile, die neuen Suchen, Bestellungen, Einträge sowie digitalen Tätigkeiten des Nutzers auswirken. 

Hinzuzufügen wäre dieser Liste noch die Möglichkeit des Nutzers, sich alle über ihn im Netz verfügbaren Daten, die in Bewertung seiner Bonität und/oder Reputation eingehen, das sog. Social Scoring, anzuzeigen und in Besitz nehmen und revidieren zu können. 

Wer die Anforderungen des Beipackzettels nicht erfüllt, soll, wie im Bereich der Arzneimittel, vom Zugang zum Markt ausgeschlossen werden:
Wer die Zulassungsvoraussetzungen nicht einhält und den Beipackzettel vergisst, kann seine Medikament in Deutschland nicht verkaufen. Digitalunternehmer, die in Deutschland mangels Anschrift nur unkörperlich anwesend sein möchten, digital mit "nicht auffindbar" gleichsetzen und ihren Datenlieferanten die Funktionsweise des Algorithmus nicht erklären wollen, können ihre vermeintlichen "Dienste" in Deutschland dann nicht mehr anbieten. 
Das dürfte in absehbarer Zukunft schwer durchzusetzen sein. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir, wie Yvonne Hofstetter fordert, eine Treuhandstelle für Algorithmen oder Algorithmic Angels bekämen. Das wäre ein Geschäftsfeld für die Banken bzw. sog. Personal Data Banks. 

Quelle: Markus Runde: Wir brauchen ein Digitalgesetz. FAZ vom 17.08.2016, Seite 17

Samstag, 13. August 2016

Schreiben im Medienwandel: Vom Meißel zur Tierhaut zum Papier zum Bildschirm



Zwei verschiedene Modi des Schreibens: 
  • Schreiben zum Denken: ich setze micht mit meinem Text auseinander
  • Schreiben zum Mitteilen: ich habe einen Adressaten im Blick
Stärke des Schreibens bleibt: Ich kann mit geschriebener Sprache den Film auslösen im Kopf und im Herzen, komplexe Geschichten in den Lesern auslösen. Es gibt Konstanten, .. es bleibt am Ende ein Mensch, der mit Menschen kommuniziert, der sich mitteilt, oder der etwas für sich sagt, und andere machen etwas daraus, egal welche Medien da mitspielen. die Medien beeinflussen die Prozesse, aber der Kern bleibt

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Samstag, 6. August 2016

Big Data exhibition at Science Museum, London

Das Archiv des Deutschen Museums: Eine Schatzkammer stellt sich vor

Der Stilwandel der Medien #12

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Werner Herzog über "Lo and Behold: Reveries of the Connected World" und Pokémon Go

Von Ralf Keuper

Werner Herzog kann den neuen Technologien, wie dem Smartphone, nur wenig abgewinnen. Allerdings verfällt er nicht in eine Schwarz-Weiß-Rhetorik. Er erkennt den Wert des Internet und der Künstlichen Intelligenz durchaus an, bestreitet aber, sofern ich ihn richtig verstehe, deren Absolutheitsanspruch. In seinem Dokumentationsfilm Lo and Behold. Reveries of the Connected World unternimmt Herzog eine Reise von den Ursprüngen des Internet bis hin zu Elon Musk und dessen Plänen der Mars-Besiedlung. 



In einem Interview mit The Verge berichtet Herzog darüber, wie überrascht aber auch interessiert die heranwachsende Generation, die sich vorwiegend im Online-Modus befindet, reagiert, wenn sie mit anderen Sichtweisen konfrontiert wird: 
.. they are excited that there's something like conceptual thinking which will create a filter and an understanding how to use the internet and how to deal with it. In other words, taking a step away from it, looking at what it does and what the possibilities are your choices.
Ebenso hat sich Herzog, wenn auch mehr oder weniger unfreiwillig bzw. widerwillig, zu dem Pokémon-Phänomen geäußert, wie in Werner Herzog Narrates Pokémon Go: Imagines It as a Murderous Metaphor for the Battle to Survive.



Samstag, 30. Juli 2016

Wie digitale Medien unser Gehirn verändern

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht einiger Hirnforscher, darunter Gerald Hüther, leidet unser Stirnhirn unter der Reizüberflutung durch die digitalen Medien. Eine sprunghafte Aufmerksamkeit ist die Folge. Andererseits lassen sich in anderen Hirnregionen digitale Intelligenzsteigerungen beobachten, z.B. als Folge des Schreibens von SMS-Nachrichten. 



Der  sensomotorische Kortex, der zuständig für die Regulation der Daumenbewegung ist, ist bei den heute 15jährigen doppelt so groß. Obwohl die Digital Natives viel schneller optische Eindrücke aufnehmen und verarbeiten können, sind auch sie nicht multitasking-fähig. Unser Gehirn funktioniert nicht wie ein Computer. Wir können uns immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren. 

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Montag, 18. Juli 2016

Digitale Ethik: Warum wir sie dringend brauchen

Von Ralf Keuper

Die Digitalisierung, so der Aufhänger des Auftritts von Oliver Zöllner und Tobias Keber, ist der "Elefant im Raum", d.h. obwohl er omnipräsent ist, wird er kaum wahrgenommen. Die Daten sind, in Analogie zum Zeitalter der Dampfmaschinen, der neue Dampf des 21. Jahrhunderts. Wir sind stets online und kommunizieren von überall aus überall hin. 



Der Mensch braucht eine wertebasierte Medienkompetenz, als Anleitung zu einem "Guten Leben", wie sie bereits die Philosophen der Antike formulierten. Am Beispiel des Seitensprung-Portals Ashley Madison und seines Geschäftsmodells "Diskretion gegen Cash" stellt sich die Frage der Digitalen Ethik unmittelbar, zumal dann, wenn die Daten von Journalisten für das Public Shaming verwendet würden. Am Beispiel des IS stellt sich die Frage der Bildethik. 

Mächtig ist derjenige, der Zugang zu Informationen hat und den Zugang vermittelt. Beispiele dafür sind nach Ansicht der Autoren internet.org von facebook und loon von Google. Welche Dienste bekommen die Menschen in den sog. unterentwickelten Ländern durch internet.org. und loon? Wohl eher solche aus dem facebook und Google-Universum. Ist Google tatsächlich der "gute Hegemon"?

Bedeuten mehr Daten ein besseres Leben? Gilt heute nicht stattdessen: You are what you like? (Vgl. dazu: Facebook als Persönlichkeitstest: was Likes über uns verraten)

Die digitale Ethik bietet Orientierung und übernimmt die Dialogfunktion - so die Autoren. User und Diensteanbieter sollten einen Daten-Deal aushandeln, der die Datenhoheit der Nutzer bzw. die Privatsphäre respektiert. 

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Samstag, 16. Juli 2016

Die inszenierte Fotografie (Dokumentationsfilm)


Das haben all diese Inszenierungen gemeinsam: Sie spielen mit der Objektivität des fotografischen Bildes, mit der Präzision, mit der Neutralität des Blickpunktes und schaffen somit in der realen Welt einen imaginären Raum, in dem sich ein jeder dem Wind oder seiner Phantasie hingeben kann. (Zitat aus dem Film)

Zeitgeist and book design

Das Buch ist nicht nur Informationsspeicher, sondern eine komplexe Erscheinung. Ob als Massenprodukt, bibliophile Kostbarkeit oder als Werk eines Künstlers, es verlangt Gestaltung - ähnlich wie ein Bauwerk. Technologien vom Bleisatz bis zur Digitalisierung prägten die Buchästhetik ebenso nachhaltig wie Zeitgeist und Moden, wie gestalterische Kreativität, Verlagsprofile oder kommerzielle Interessen. Kontinuität ästhetischer Prinzipien, Rückgriff auf und Bruch mit Traditionen sowie experimentelle Lösungen zeigen sich als Tendenzen der Buchgestaltung von 1950 bis heute.
Quelle: Deutsches Buch- und Schriftmuseum