Donnerstag, 7. Januar 2016

Die Geburt des Silicon Valley, oder: Die Geschichte der "Fairchild Eight"

Von Ralf Keuper

Bei einem Treffen in einem Cafe in San Francisco im Jahr 1957 beschlossen acht junge Männer, die Fairchild Acht oder die Verräterischen Acht, die zu dem Zeitpunkt bei Shockley Semiconductor Laboratory beschäftigt waren, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Kopf der Gruppe war Robert Noyce.
Ihre Absicht bekundeten die acht durch ihre Unterschrift auf einer Dollarnote - später als Unabhängigkeitserklärung des Silicon Valley bekannt geworden.

Zu jener Zeit waren integrierte Schaltkreise noch nicht erfunden. William Shockley legte mit der Erfindung des Transistors und der Gründung des Shockley Labors den Grundstein für das Silicon Valley. Ein weiterer wichtiger Faktor war die Stanford University, die als Inkubator (Forschung und Finanzierung) fungierte. 

Wegen des autokratischen Führungsstils von Shockley beschlossen zunächst sieben der acht (damals noch ohne Noyce), sich nach einem neuen Arbeitgeber umzusehen. Sie wandten sich an den Wall Street Banker Arthur Rock von Hayden Stone, ob er eine Firma wüsste, die sie einstellen würde. Rock machte den Vorschlag, eine eigene Firma zu gründen und bot an, für die Finanzierung zu sorgen. 

Nachdem zahlreiche Investoren absagten, sorgte ein Treffen mit Sherman Fairchild, dem Eigentümer von Fairchild Camera, für den Durchbruch. Fairchild war damals größter Einzelaktionär von IBM. Er stellte sofort 1,5 Millionen Dollar bereit mit der Option, die Firma später kaufen zu können. Im Grunde die Geburtsstunde des Risikokapitals.
Dass Mitarbeiter ihren Arbeitgeber verließen, um ein eigenes Unternehmen zu gründen, war damals noch unerhört. Als Glücksfall für das noch junge Unternehmen mit dem Namen Fairchild Semiconductor war der Sputnik Schock, der zur Gründung der Nasa führte. Das Militär benötigte Silicium-Transistoren in großen Mengen. Die Produkte von Texas Instruments, damals der mit Abstand führende Hersteller von Transistoren und Halbleitern, waren den Militärs zu langsam. IBM forderte Fairchild auf, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Zwei getrennte Teams arbeiteten bei Fairchild an der Lösung. IBM baute die Transistoren ein, was einem Ritterschlag gleichkam.

Den Durchbruch in der Produktion brachte die Planartechnik, die sich Fairchild patentieren ließ.

Das Problem der Transistoren war, dass sie nur eine Funktion erfüllen konnten. Als Texas Instruments einen Festkörperschaltkreis präsentierte, musste man bei Fairchild nachziehen. Robert Nocye entwarf den integrierten Schaltkreis, bei dem alle Teile in der Silicium-Schicht verbunden waren. Diese Technik erwies sich als weitaus wirtschaftlicher als die Festkörpertechnik. Mit dem Apollo-Programm kam ein weitere Schub für das noch junge Unternehmen. 

Nach einer stürmischen Wachstumsphase verließen in den ersten 1960er Jahren bereits einige der acht Fairchild. Fairchild gliederte zu dem Zeitpunkt mehrere Unternehmen aus, die Idee des Risikokapitals kam auf, das Silicon Valley, so wie wir es heute kennen, entstand. 





Mitte der 1960er Jahre traft Noyce die Entscheidung, dass Mikrochips weniger als einen Dollar kosten sollten. Damit lag der Preis unter den Herstellungskosten. Die Nachrage war jedoch so groß, dass die Kosten für die Produktion fielen und unterhalb der Herstellungskosten blieben. 

Zum Verdruss von Noyce, Moore und anderen investierte die Muttergesellschaft Fairchild Camera die Gewinne seines Tochterunternehmens nur in geringem Umfang in das weitere Wachstum. Dadurch konnte Texas Instruments Fairchild Semiconductors technologisch überholen. Erschwerend kam auf Seiten von Fairchild Semiconductors die fehlende Kommunikation zwischen Forschung und Fertigung hinzu. Die Dinge liefen aus dem Ruder, Robert Noyce verlor die Kontrolle, seine Entscheidungsschwäche wurde zunehmend zum Problem. Wichtige Mitarbeiter verließen das Unternehmen. 
Auch Noyce plante den Absprung. Er weihte Gordon Moore in seine Pläne ein, dass er Fairchild verlassen wolle, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach anfänglichem Zögern schloss sich Moore Noyce an und beide gründeten das Unternehmen Intel. Sie nahmen zahlreiche Mitarbeiter von Fairchild mit in ihr neues Unternehmen, darunter Andy Grove. Die Entscheidung von Noyce und Moore, Andy Grove mit dem Alltagsgeschäft zu betrauen, ist rückblickend die wohl wichtigste gewesen. Bei Intel gab es keine Privilegien. Es herrschte die Kultur der Leistungsgesellschaft. Es gab keine Befehlsketten. Während Noyce für die Demokratisierung im Unternehmen voran trieb, sorgte Grove für die nötige Disziplin. 

Noyce und Moore beschlossen, Speichergeräte zu bauen und die Magnetkernspeicher herauszufordern. 

1969 bestellte der japanische Hersteller von Taschenrechnern Busicom zwölf spezielle Mikrochips für seinen neuen Rechner. Ted Hoff hatte die Idee für einen Chip, der wie ein Rechner funktionierte und Federico Faggin entwarf unabhängig davon das Silizium-Design: Der erste Mikroprozessor entstand. Das sollte sich als Startschuss für die digitale Revolution erweisen. Der Mikroprozessor wurde zum Schlüsselprodukt der modernen Welt, zur Grundlage der Informatik.

In seinem Buch Die neue Welt des Robert Noyce. Eine Pioniergeschichte aus dem Silicon Valley hielt Tom Wolfe dieses wichtige Stück Wirtschafts- und Technikgeschichte literarisch fest. 

Mittlerweile haben die Mikroprozesoren ihren Einflussbereich weit ausgedehnt - womöglich zu weit, wenn man den Beitrag What's the point of secure software if you can't trust your CPU? auf sich wirken lässt.

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