Montag, 6. Juni 2016

Fernsehen unterm Hakenkreuz (Dokumentationsfilm)

Von Ralf Keuper 

Ab 1935 strahlte der Fernsehsender Paul Nipkow über einen Zeitraum von neun Jahren sein Programm im Dienst des Dritten Reichs aus. Dabei handelte es sich um den ersten regelmäßigen Fernsehbetrieb weltweit. Gesendet wurde bis zu dreimal die Woche aus einem winzigen Studio in Berlin. Zu Beginn waren noch Abtastgeräte und das mechanisch- optische Übertragungsverfahren im Einsatz. 


Am 19. Juni 1935 startete mit dem Dachgarten die erste Unterhaltungsshow des deutschen Fernsehens. Ebenso zu sehen waren Koch- und Schönheitssendungen. 
Der öffentliche Empfang war auf wenige Fernsehstuben in Berlin beschränkt. Einen Schub erhielt das NS-Fernsehen durch die Übertragung der Olympischen Spiele 1936. Damals waren die Reporter noch Allrounder und keine Spezialisten, d.h. es gab noch nicht die Trennung zwischen Sport, Kultur, Politik und Wirtschaft. 
Obwohl es vorwiegend der Unterhaltung diente, war das Programm alles andere als unpolitisch, was jetzt nicht wirklich überrascht. Zu sehen war die übliche Propaganda mit starkem antisemitischen und völkischen Unterton. Die NS-Größen, wie Göbbels, konnten dem Fernsehen jedoch nur wenig abgewinnen. Für sie waren, neben eigenen Auftritten vor großen Zuschauermengen, Zeitungen und vor allem das Radio das Medium der Wahl. Das Fernsehen war damals noch von begrenztem Wert für die Propaganda. Weitaus wichtiger war, wie gesagt, der Rundfunk. 

Schon damals waren Sport und Unterhaltung beliebter als politische Sendungen. Publikumsliebling war Max Schmeling, dessen Kämpfe man sich bereits in Zeitlupen-Aufnahmen ansehen konnte. Alles in allem war die Bildqualität schon erstaunlich hoch. Weiterhin heisst es zum Programm auf Wikipedia
Das Programm bestand aus einer Mischung von Live-Moderation aus dem Studio, Fernsehspielen und eingespielten Filmausschnitten, Kurzfilmen und Wochenschauen. Daneben gab es eine regelmäßige Nachrichtensendung („Bild des Tages“), einen „Aktuellen Bildbericht“, eine Diskussionssendung („Gesprächskreis“), eine Sendung „Künstler stellen sich vor“, Tiersendungen und eine populäre, von Ilse Werner moderierte Varieté-Show mit dem Titel „Wir senden Frohsinn – wir spenden Freude“, die seit März 1941 jeden Freitag live aus dem Kuppelsaal des Sportforums der Deutschen Hochschule für Leibesübungen übertragen wurde. In der Sendung „Die Kriminalpolizei warnt!“ wurde die Bevölkerung zur Fahndungshilfe bei der Verbrecherjagd aufgefordert. Nach Kriegsbeginn kam unter anderem eine Truppenbetreuungssendung „Soldaten spielen für Soldaten“ hinzu. Speziell an das weibliche Publikum adressiert waren Sendungen wie „Gesunde Frau – Gesundes Volk“ und die Küchensendung „Die Hausfrau im Kriege“.
Irgendwie erstaunlich, wieviele Formate sich bis heute gehalten haben ... 

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