Sonntag, 28. Februar 2016

Entwicklungstrends der Schrifttechnologie (Harald Haarmann)

Wenn zu Beginn der Geschichte der Informationsverarbeitung das Streben nach einer Technologie entscheidend war, die es ermöglichte, gedankliche Inhalte festzuhalten, wenn sich also das Anfangsstadium der Schriftverwendung weitgehend sprachungebunden entfaltete, dann spielte konsequenterweise die Typik von Sprachen keine nennenswerte Rolle für das Entstehen von Schrift in irgendeinem Kulturkreis. Wohl aber wurden die Ausarbeitung und der Einsatz von Schrift überall und von Anfang an von den spezifischen Bedingungen des lokalen Kulturmilieus beeinflusst. Die Art und Weise, wie Schriftzeichen in ein System integriert wurden, war jeweils abhängig vom Repertoire der verfügbaren Kultursymbole, nicht von der silbischen oder segmentalen Struktur der lokalen Sprache oder ihrer grammatischen Strukturen. 
Quelle: Harald Haarmann. Geschichte der Schrift 

Montag, 22. Februar 2016

Das Bild als historische Kraft (Horst Bredekamp)

Bilder ergreifen den Körper. Hier läuft eine Wahrnehmungssystematik ab, die von einer solchen Komplexität ist, dass sie nicht unmittelbar auf Texte abgespiegelt und daher auch nicht durch Texte vollständig kontrolliert werden kann. Was von Bildern ausgeht, ist eine gesamt-sinnhaftige und eine gesamt-sinnliche Erfahrung. Bilder, die Sie ergreifen, bleiben nicht an Ihrem Vorbewusstsein stehen, sondern verändern es. Es ist eine Disqualifizierung des Bildes als Bild, wenn es mit Texten unmittelbar kurzgeschlossen und damit gleichsam trockengelegt wird. Hierin liegt die Crux der Hermeneutik, welche sich mit Bildern beschäftigt. Aus diesem Grund hat Erwin Panofsky seine drei Schichten des Primärzugangs, dann der Vergleichsreihen der ikonografischen Bestimmung und schließlich der kulturellen Einbindung, bei der Texte natürlich eine wichtige Rolle spielen, entwickelt. Die Ikonologie versucht, diese Unauslotbarkeit in eine „Verhandlichung“ zu bringen. Ich gehe ebenfalls immer vom Bild aus. Immer! In Seminaren muss das Licht ausgehen, und zu Beginn eines Referats muss eine Beschreibung stehen. Wenn hingegen ein Referat beginnt: „Der Künstler hat gelebt von …“, oder: „Dieses Gemälde zeigt das historische Ereignis…“, ist das Referat in der Regel falsch eingefädelt. Es muss die Näherung zum Bild aus dem Bild heraus geschehen. Erst dann beginnt die Spirale der Umkreisung, der Konterkarierung und der historischen Bestimmung, um dann zur Form zurückzukehren und diese genauer zu bestimmen.

Der Stilwandel der Medien #6

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Sonntag, 14. Februar 2016

Die Bedeutung der Mediengeschichte (Andreas Würgler)

Die Bedeutung der Mediengeschichte erwächst nicht allein aus ihren kommunikativen, ökonomischen oder aktuellen Bezügen. Denn Bild-, wie Textmedien strukturieren die menschliche Wahrnehmung und Erfahrung der Wirklichkeit, wie unter anderen Michael Baxandall aus kunsthistorischer und Marshall McLuhan aus medienwissenschaftlicher Sicht deutlich gemacht haben. Sie präjudizieren damit auch menschliche Handlungen. Geschichte und Geschichtsschreibung sind ohne mediale Kommunikation nicht denkbar. Medien bilden Ereignisse und Prozesse nicht nur ab, vielmehr prägen sie diese auch, was von F. Crivelari, K. Kirchmann, M. Sandl und R. Schlögl als "Medialität des Historischen" bezeichnet wurde. .. In diesem Sinne wurden Medien nicht nur zum Archiv der Geschichte, sondern waren auch schon Bestandteil des Geschehens. 
Quelle: Andreas Würgler: Medien in der frühen Neuzeit 

Dienstag, 9. Februar 2016

Der Stilwandel der Medien #5

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Die Welt der Farbe - das größte Kommunikationssystem der Welt

Von Ralf Keuper

Wir leben in einer Welt, die von Farben bestimmt wird. In gewisser Hinsicht leben wir nach dem Code der Farbe. Das ist jedenfalls der Tenor der sehenswerten Dokumentation Die Magie der Farben


Schon die Antike war, wie erst die Forschungen von Vinzenz Brinkmann ans Licht brachten, eine farbige Epoche und keinesfalls ein weisse Antike, wie über Jahrhundert angenommen wurde. Farbe galt in den verschiedenen Zeitaltern als Inbegriff von Reichtum und Schönheit. Sie diente vor allem auch dazu, gesellschaftliche Rangordnungen sichtbar zu machen. Bestimmten Farben waren den gehobenen Bevölkerungsschichten vorbehalten. Die normale Bevölkerung musste sich mit schlichten Farbtönen, wie braun und grau, begnügen. Farbe dient aber auch dazu, Gruppen, wie Sportvereine und Parteien, kenntlich zu machen. Die Welt der Farbe ist nach Ansicht einiger Forscher das größte Kommunikationssystem der Welt. 

Nach dem Untergang des römischen Reiches begann eine farblose Epoche. Erst mit Karl dem Großen setzte die alte Farbenpracht wieder ein. Die graue Epoche war vorüber. Wie farbenroh die Gesellschaft des Mittelalters war, zeigt u.a. der Sachsenspiegel

Die Farbe hat in der bildenden Kunst naturgemäß eine besondere Stellung. Dennoch hat sie in der Forschung lange Zeit nicht die Anerkennung gefunden, die ihr zusteht; das war jedenfalls die Überzeugung von John Gage, der sein Forscherleben ganz der Farbe gewidmet hat.  Hans-Peter Thurn beschäftigt sich dagegen mit der Soziologie der Farbe

In den 1970er Jahren setzte sich die Zeitschrift Farbe und Design intensiv mit der Wirkung von Farben auseinander. Das Deutsche Farbenzentrum hat sich der  Förderung von wissenschaftlicher, künstlerischer und gestalterischer Arbeit im Bereich der Farbe verschrieben.