Samstag, 18. Juni 2016

Markt für Online-Werbung vor großem Umbruch

Von Ralf Keuper

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Markt für Online-Werbung vor einem tiefgreifenden Wandel steht. 
Zu den ersten kritischen Analysen zählt The Theory of Peak Advertising and The Future of the Web aus dem Jahr 2013. Zu schaffen macht dem Markt vor allem die Verbreitung der Ad-Blocker. 

Resümierend halten die Autoren fest: 
Peak Advertising imagines a similar race between the declining value of a key resource and the ability for the industry to transition to some sufficiently robust financial substitute in time. Indeed, the implications for privacy, authenticity, and market structure are all symptoms of an industry already attempting to adjust to a new, challenging environment. Whether these changes are sufficient to preserve the same core business model that has sustained the web to date remains to be seen.
Ähnlich skeptisch äußert sich Doc Searls in Is the online advertising bubble finally starting to pop?. Lesenswert sind auch die Kommentare dazu.

Optimistischer ist dagegen Tim Koschella, CEO von Applift, in einem Interview (Podcast). Im Mobile Advertising liege, so Koschella, noch viel Potenzial, auch für Nischenanbieter. 

Gut auf den Punkt bringt die aktuelle Situation m.E. Eric Wheeler in The ripple effect of a market correction in adtech, wenngleich er der Data Privacy zu wenig Beachtung schenkt. 

Transmediale 2015: Der Krieg um unsere Daten

Wir poduzieren mehr Daten als jemals zuvor. Und werden stärker überwacht als es je möglich war. Vor allem von Firmen, die Milliarden mit Verkauf und Auswertung unserer Daten verdienen. Die Transmediale 2015 sucht nach Gegenmaßnahmen (Quelle: YouTube)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Live-Fernsehen: Erfolgsanalyse anhand der Quotenkurve

taff-Redaktionsleiter Werner Danner erklärt den Quotenverlauf einer Sendung anhand einer Kurvengrafik. Was kommt an und was nicht? Wie platziert man Themen geschlechtsspezifisch? Dem Sendungsbau des Boulevardmagazins kommt eine besondere Bedeutung zu (Quelle: YouTube). 

Samstag, 11. Juni 2016

Der Stilwandel der Medien #10

Von Ralf Keuper

Hier einige Beiträge der letzten Zeit, die sich mit dem Stil- und Formwandel der Medien beschäftigen:

Telefunken - Ein wichtiges Stück Funk- und Fernsehgeschichte

Von Ralf Keuper

Die Firma Telefunken war maßgeblich am Aufbau des deutschen Rundfunk- und Fernsehsender-Netzes beteiligt. Geliefert wurden komplette Rundfunkstationen. Darüber hinaus war das Unternehmen ein Pionier bei der Entwicklung neuer und richtungsweisender Sendetechnik. Insofern steht Telefunken für ein wichtiges Stück Funk- und Fernsehgeschichte. 



Die ersten Funkversuche führte Guglielmo Marconi 1897 in England durch. Die Versuche weckten das Interesse von Kaiser Wilhelm II, der vor allem die militärische Nutzung der Funktechnik im Sinn hatte. Die Königliche Technische Hochschule schickte, nachdem ein Gesuch an Marconi von diesem positiv beantwortet wurde, einige Physiker nach England, um sich die Funktechnik vor Ort anzuschauen. Die Physiker konnten soviel Informationen aufnehmen, dass sie sehr bald in der Lage waren, ähnliche Versuche, wie die von Marconi, durchzuführen. Das wiederum führte zur Gründung der ersten Funk-Unternehmen durch Wilhelm von Siemens und Emil Rathenau. Auf Drängen des Kaisers legten die beiden Unternehmer ihre Firmen unter dem Namen Telefunken zusammen. 
In der Folge entstand unter der Leitung von Telefunken in Nauen eine Großfunkanlage, die später die größte der Welt werden sollte. Ein weiterer wichtiger Sender aus der Zeit war der Sender Königs Wusterhausen

Der internationale Durchbruch gelang Telefunken mit der Erfindung des Tonfunkensenders. Damit konnte das Seefunkmonopol der Marconi-Gesellschaft durchbrochen werden. Zu seinen Glanzzeiten war Telefunken mit 50 Prozent am Weltfunkverkehr beteiligt. 
Mit der Zeit entstand in Deutschland ein Rundfunksendernetz. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei Hans Bredow.

Bereits 1929 begann die Deutsche Reichspost mit den ersten Fernsehversuchen. Der von Telefunken entwickelte Fernsehsender ging 1935 mit dem Fernsehsender Paul Nipkow, dem ersten Fernsehsender überhaupt, live. 

Montag, 6. Juni 2016

Fernsehen unterm Hakenkreuz (Dokumentationsfilm)

Von Ralf Keuper 

Ab 1935 strahlte der Fernsehsender Paul Nipkow über einen Zeitraum von neun Jahren sein Programm im Dienst des Dritten Reichs aus. Dabei handelte es sich um den ersten regelmäßigen Fernsehbetrieb weltweit. Gesendet wurde bis zu dreimal die Woche aus einem winzigen Studio in Berlin. Zu Beginn waren noch Abtastgeräte und das mechanisch- optische Übertragungsverfahren im Einsatz. 


Am 19. Juni 1935 startete mit dem Dachgarten die erste Unterhaltungsshow des deutschen Fernsehens. Ebenso zu sehen waren Koch- und Schönheitssendungen. 
Der öffentliche Empfang war auf wenige Fernsehstuben in Berlin beschränkt. Einen Schub erhielt das NS-Fernsehen durch die Übertragung der Olympischen Spiele 1936. Damals waren die Reporter noch Allrounder und keine Spezialisten, d.h. es gab noch nicht die Trennung zwischen Sport, Kultur, Politik und Wirtschaft. 
Obwohl es vorwiegend der Unterhaltung diente, war das Programm alles andere als unpolitisch, was jetzt nicht wirklich überrascht. Zu sehen war die übliche Propaganda mit starkem antisemitischen und völkischen Unterton. Die NS-Größen, wie Göbbels, konnten dem Fernsehen jedoch nur wenig abgewinnen. Für sie waren, neben eigenen Auftritten vor großen Zuschauermengen, Zeitungen und vor allem das Radio das Medium der Wahl. Das Fernsehen war damals noch von begrenztem Wert für die Propaganda. Weitaus wichtiger war, wie gesagt, der Rundfunk. 

Schon damals waren Sport und Unterhaltung beliebter als politische Sendungen. Publikumsliebling war Max Schmeling, dessen Kämpfe man sich bereits in Zeitlupen-Aufnahmen ansehen konnte. Alles in allem war die Bildqualität schon erstaunlich hoch. Weiterhin heisst es zum Programm auf Wikipedia
Das Programm bestand aus einer Mischung von Live-Moderation aus dem Studio, Fernsehspielen und eingespielten Filmausschnitten, Kurzfilmen und Wochenschauen. Daneben gab es eine regelmäßige Nachrichtensendung („Bild des Tages“), einen „Aktuellen Bildbericht“, eine Diskussionssendung („Gesprächskreis“), eine Sendung „Künstler stellen sich vor“, Tiersendungen und eine populäre, von Ilse Werner moderierte Varieté-Show mit dem Titel „Wir senden Frohsinn – wir spenden Freude“, die seit März 1941 jeden Freitag live aus dem Kuppelsaal des Sportforums der Deutschen Hochschule für Leibesübungen übertragen wurde. In der Sendung „Die Kriminalpolizei warnt!“ wurde die Bevölkerung zur Fahndungshilfe bei der Verbrecherjagd aufgefordert. Nach Kriegsbeginn kam unter anderem eine Truppenbetreuungssendung „Soldaten spielen für Soldaten“ hinzu. Speziell an das weibliche Publikum adressiert waren Sendungen wie „Gesunde Frau – Gesundes Volk“ und die Küchensendung „Die Hausfrau im Kriege“.
Irgendwie erstaunlich, wieviele Formate sich bis heute gehalten haben ... 

Mittwoch, 1. Juni 2016

Wie Live-Fernsehen die Realität verändert am Beispiel der Fussballübertragung

Von Ralf Keuper

Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Michael Meyen zeigt am Beispiel der Fußballübertragung die Konstruktions- und Inszenierungsleistungen des Fernsehens. 


Kernthese:
Unter Medialisierung verstehe ich die Anpassung von Akteuren an die  Erfolgsbedinungen der Massenmedien. 
Kernaussagen: 
Wir erleben, dass die Orte, an denen Dinge stattfinden, nach den Bedingungen der Medien gebaut werden. .. Wenn man in München das Olympiastadion, 1972 eingeweiht, mit der Allianz-Arena, 2005 eingeweiht, ... vergleicht. Das Olympiastadion von 72 sieht noch aus, wie alte griechische Arenen aussehen. Die Allianz-Arena ist eigentlich ein Fernsehstudio, ein großes überdimensioniertes Fernsehstudio mit optimalen Bedingungen für Fernsehjournalisten, mit optimalem Rasenkontrast, mit der Möglichkeit, Fans zu zeigen, die sehr nah dran am Geschehen sind, die zufrieden sind, weil die Infrastruktur in diesem Stadion perfekt ist, die erlaubt, Bilder zu produzieren, die alle das erfüllen, was gutes Fernsehen ausmacht, nämlich in Gesichter schauen zu können und dynamisch zu sein und Spannung zu erzeugen.  
Alles, was wir im Fernsehen als Live-Bericht "serviert" bekommen, ist von Akteuren konstruiert und inszeniert worden, die darauf aus sind, unsere Zustimmung .. zu bekommen. Der FC Bayern entscheidet, wen er in das Live-Interview ins Fernsehen schickt und nicht das journalistische Erfordernis. Der FC Bayern entscheidet, welche Fragen im Zweifelsfall nicht gestellt werden. Und sich dann noch als Journalist zu definieren, dazu gehört dann doch ein bisschen Mut und Fragen zu stellen, die nicht abgesprochen sind. .... Beispiel Peer Mertesacker im Interview während der WM 2014  
Heute hab ich als Fernsehjournalist oft gar keine Möglichkeit mehr, hinter die Fassade zu schauen, weil die Fassade genau so konstruiert wird, dass sie meinem Bedürfnis als Fernsehjournalist entspricht. Ich habe also keine Gelegenheit mehr, frei zu recherchieren, nicht vorgefertigte Antworten zu bekommen. Deswegen glaube ich, dass Journalisten sich immer über diese Bedingungen im Klaren sein müssen unter denen ihre Bilder heute zustande kommen und diese möglicherweise in anderen Formaten als Live-Sendungen zu hinterfragen. 
Weitere Informationen: