Samstag, 30. Juli 2016

Wie digitale Medien unser Gehirn verändern

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht einiger Hirnforscher, darunter Gerald Hüther, leidet unser Stirnhirn unter der Reizüberflutung durch die digitalen Medien. Eine sprunghafte Aufmerksamkeit ist die Folge. Andererseits lassen sich in anderen Hirnregionen digitale Intelligenzsteigerungen beobachten, z.B. als Folge des Schreibens von SMS-Nachrichten. 



Der  sensomotorische Kortex, der zuständig für die Regulation der Daumenbewegung ist, ist bei den heute 15jährigen doppelt so groß. Obwohl die Digital Natives viel schneller optische Eindrücke aufnehmen und verarbeiten können, sind auch sie nicht multitasking-fähig. Unser Gehirn funktioniert nicht wie ein Computer. Wir können uns immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren. 

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Montag, 18. Juli 2016

Digitale Ethik: Warum wir sie dringend brauchen

Von Ralf Keuper

Die Digitalisierung, so der Aufhänger des Auftritts von Oliver Zöllner und Tobias Keber, ist der "Elefant im Raum", d.h. obwohl er omnipräsent ist, wird er kaum wahrgenommen. Die Daten sind, in Analogie zum Zeitalter der Dampfmaschinen, der neue Dampf des 21. Jahrhunderts. Wir sind stets online und kommunizieren von überall aus überall hin. 



Der Mensch braucht eine wertebasierte Medienkompetenz, als Anleitung zu einem "Guten Leben", wie sie bereits die Philosophen der Antike formulierten. Am Beispiel des Seitensprung-Portals Ashley Madison und seines Geschäftsmodells "Diskretion gegen Cash" stellt sich die Frage der Digitalen Ethik unmittelbar, zumal dann, wenn die Daten von Journalisten für das Public Shaming verwendet würden. Am Beispiel des IS stellt sich die Frage der Bildethik. 

Mächtig ist derjenige, der Zugang zu Informationen hat und den Zugang vermittelt. Beispiele dafür sind nach Ansicht der Autoren internet.org von facebook und loon von Google. Welche Dienste bekommen die Menschen in den sog. unterentwickelten Ländern durch internet.org. und loon? Wohl eher solche aus dem facebook und Google-Universum. Ist Google tatsächlich der "gute Hegemon"?

Bedeuten mehr Daten ein besseres Leben? Gilt heute nicht stattdessen: You are what you like? (Vgl. dazu: Facebook als Persönlichkeitstest: was Likes über uns verraten)

Die digitale Ethik bietet Orientierung und übernimmt die Dialogfunktion - so die Autoren. User und Diensteanbieter sollten einen Daten-Deal aushandeln, der die Datenhoheit der Nutzer bzw. die Privatsphäre respektiert. 

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Samstag, 16. Juli 2016

Die inszenierte Fotografie (Dokumentationsfilm)


Das haben all diese Inszenierungen gemeinsam: Sie spielen mit der Objektivität des fotografischen Bildes, mit der Präzision, mit der Neutralität des Blickpunktes und schaffen somit in der realen Welt einen imaginären Raum, in dem sich ein jeder dem Wind oder seiner Phantasie hingeben kann. (Zitat aus dem Film)

Zeitgeist and book design

Das Buch ist nicht nur Informationsspeicher, sondern eine komplexe Erscheinung. Ob als Massenprodukt, bibliophile Kostbarkeit oder als Werk eines Künstlers, es verlangt Gestaltung - ähnlich wie ein Bauwerk. Technologien vom Bleisatz bis zur Digitalisierung prägten die Buchästhetik ebenso nachhaltig wie Zeitgeist und Moden, wie gestalterische Kreativität, Verlagsprofile oder kommerzielle Interessen. Kontinuität ästhetischer Prinzipien, Rückgriff auf und Bruch mit Traditionen sowie experimentelle Lösungen zeigen sich als Tendenzen der Buchgestaltung von 1950 bis heute.
Quelle: Deutsches Buch- und Schriftmuseum 

5000 Jahre Mediengeschichte: Deutsches Buch- und Schriftmuseum

Freitag, 15. Juli 2016

Comicgeschichte Deutschlands - Gesellschaft für Comicforschung

Rückzugsgefechte des Journalismus? Wissenschaftskommunikation in der Aufmerksamkeitsökonomie

Von Ralf Keuper

In der Ringvorlesung "Wissenschaftskommunikation erforschen" bespricht Stephan Ruß-Mohl die besonderen Herausforderungen des Wissenschaftsjournalismus in der Aufmerksamkeitsökonomie. Die Befunde gelten nicht nur für den Wissenschaftsjournalismus allein, sondern auch für die anderen Formen des Journalismus, wenngleich die Nähe bzw. Abhängigkeiten der Wissenschaftsjournalisten von den PR-Abteilungen großer Unternehmen und Forschungseinrichtungen besonders ausgeprägt sei. Ähnlich dürfte es sich m.E. beim Sportjournalismus verhalten. 



Heute gebe es im Wissenschaftsbetrieb sehr viel mehr sehr viel besser ausgebildete PR-Experten als noch in den 1990er Jahren. Die Wissenschaftler selber sind i.d. R. mehr an Reputation als an Aufmerksamkeit interessiert, mit der Folge, dass die Medien am liebsten Forscher mit hoher Medienkompetenz präsentieren, als diejenigen mit der höchsten Fachkompetenz. Wer als Forscher in der Lage ist, sein Statement auf 1:30 Minuten zu komprimieren, sei für die Medien ein Idealkandidat. Der Inhalt sei da weniger wichtig. 
Heute berichten die Wissenschaftsjournalisten eher über aktuelle Ereignisse und Katastrophen, als über Forschungsprojekte. 

Im Wissenschaftsjournalismus stellt Ruß-Mohl, wie schon erwähnt, eine enge Beziehung zu den PR-Abteilungen der Unternehmen und Forschungseinrichtungen fest. Generell verliere der  Journalismus an Wert, wenn er die Gratis-Angebote der PR-Abteilungen in Anspruch nimmt. Es herrsche im Wissenschaftsjournalismus ein Kontrollillusion insofern, als dass die Journalisten den Einfluss der PR auf ihre Arbeit unterschätzen. 

Dazu passt aktuell der Beitrag Das PR-Spiel über Bande ist ein Auslaufmodell. Vor etwas über einem Jahr verfasste Jens Rehländer den bissigen Kommentar Journalismus 2015: Biete Artikel gegen Anzeigen.

Samstag, 9. Juli 2016

Wirtschaft und Presse (Alfred Herrhausen)

Wir brauchen beides: Berichterstattung und Kommentierung, aber eben eine Kommentierung der Wirklichkeit, nicht eine solche der Unwirklichkeit. Wirklichkeit wird durch Berichterstattung re-produziert und kann dann analysierend und wertend kommentiert werden. Unwirklichkeit wird produziert. Sie kann ebenfalls Objekt der Kommentierung, nicht aber ein solches der Berichterstattung sein. Sie ist, so meine ich, zudem ein Verstoss gegen das Freiheitspostulat des Informationskonsumenten, also unseres gemeinsamen Adressaten, des Hörers, Lesers, Zuschauers. 
Quelle: Denken_Ordnen_Gestalten  

Donnerstag, 7. Juli 2016

Wenn prekärer Journalismus prekäre Beiträge erzeugt

Von Ralf Keuper

Es war zu erwarten, dass der Erfolg der isländischen Fussballnationalmannschaft bei der EM in Frankreich in einigen Redaktionsstuben einen Kreativitätsschub auslösen würde, dessen Ergebnis ein Beitrag wäre, der mit weit hergeholten Vergleichen und aufgewärmten Klischees glänzt. Wir wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht, wie der Beitrag Wie ähnlich sind sich Bielefeld und Island? belegt. 

In diesem Fall musste einmal mehr die Stadt Bielefeld als Vergleichsmaßstab herhalten. Die Stadt hat ungefähr so viel Einwohner wie Island - was lag da also näher, als eine Story zu konstruieren, in der krampfhaft versucht wird, Bezüge herzustellen, die zwar inhaltsleer und willkürlich sind, aber dennoch einen, wenn auch minimalen, Unterhaltungswert haben. Ebenso gut hätte man andere Städte mit ähnlicher Einwohnerzahl wählen können wie Mannheim, Karlsruhe oder Münster, aber auch etliche Landkreise. Das hätte jedoch bedeutet, einen unbetretenen Pfad zu beschreiten, wäre also deutlich anstrengender gewesen. 

Nachdem der Autor so ziemlich alle ihm bekannten Klischees und Anekdoten über Bielefeld durch dekliniert hat, hält er als Gemeinsamkeit zwischen Island und Bielefeld den Ausspruch "Das gibt's doch gar nicht" fest. Was für eine Erkenntnis und was für ein schlecht konstruierter Beitrag. Das fehlt so jeder überraschende Moment, das ist so weit entfernt von jeder auch nur halbwegs intelligenten Pointe, dass man einem der Kommentatoren bei seiner Bewertung nur zustimmen kann:
Die witzig gewitzt gemeinte Glosse liest sich, als ob man für ein Prekärsalär auch nur Prekäres hinkriegt
Immerhin ;-)

Wir mussten erneut nicht lange warten ;-) Ein weiteres Beispiel für prekären Journalismus, wenngleich nicht ganz so platt wie der vorgenannte: Die Sache mit Island und Bielefeld...