Samstag, 11. März 2017

Karl Heinz Bohrer über die unterschiedliche Arbeitsatmosphäre in den Redaktionen der Welt und FAZ in den 1960er Jahren

Ich war beeindruckt durch den Unterschied an Stimmung dieser Zeitung (FAZ) zur ja nun fast schon kinohaft journalistischen "Welt". Dort wurde schon mittags gesoffen, die zogen sich smart an, wie man sich Journalisten vorstellte. Der Feuilleton-Chef, Georg Ramsegger, lief schon um drei Uhr Rotwein gurgelnd durch die Gegend. Nichts dergleichen bei der FAZ. Auch nicht die stramme Unterordnung. In der "Welt" konnte man nichts machen ohne Ramsegger. In der FAZ hatte ich den Eindruck, die einzelnen Redakteure arbeiten wie Gelehrte, ein bisschen auch wie Staatssekretäre - still, sehr präzise und ganz anders, als man sich Journalisten vorstellt. 
Karl Heinz Bohrer auf die Frage von Jürgen Kaube: Herr Bohrer, 1966 wurden sie Literaturredakteur der FAZ. Wie kam das?, in Die Ungeheuerlichkeit des täglichen Erlebens, FAZ vom 8.03.2017. 

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