Freitag, 28. April 2017

Wie die FAZ versucht, uns Alice Weidel näher zu bringen

Von Ralf Keuper

Wenn der Eindruck nicht täuscht, dann ist man bei der FAZ derzeit eifrig bemüht, uns Alice Weidel als respektable Spitzenpolitikern zu präsentieren. Beispielhaft dafür ist Wer ist Alice Weidel?: Die Scheingemäßigte. Ein Porträt in drei Geschichten und zuvor AfD-Politikerin Alice Weidel ist Alternative zu Björn Höcke. Beim letzteren Beitrag handelt es sich um eine Homestory im Bunte-Stil, wie man sie so bislang nicht von der FAZ kannte. 

Als Beleg dafür, dass Alice Weidel nicht in das übliche Klischee einer AfD-Politikerin passt, führt Justus Bender, der Autor des erstgenannten Artikels, u.a. an, dass Frau Weidel bei Goldman Sachs gearbeitet habe und überdies die chinesische Sprache beherrsche und auch ansonsten weltgewandt aufzutreten verstehe. Ob eine Beschäftigung bei Goldman Sachs als Ausweis für die Qualifikation als Spitzenpolitikern dienen kann, ist bei der Rolle, die das Geldhaus vor und während der Finanzkrise gespielt hat, fraglich. 

Aber selbst wenn wir all die Merkmale, die Bender so emsig zusammen trägt, für eine liberale Grundhaltung gelten lassen würden, bleibt die Frage bestehen, warum eine Frau mit diesen Eigenschaften sich als Spitzenkandidatin für eine Partei zur Verfügung stellt, deren führende Vertreter mit Äußerungen an die Öffentlichkeit treten, die alles andere als liberal und weltoffen sind. Auch Mitglieder aus der zweiten und dritten Reihe sind, wenn sie sich öffentlich zu Wort gemeldet haben, in ihrer Mehrheit, so jedenfalls mein Eindruck, bisher nicht als Vorkämpfer einer offenen Gesellschaft im Sinne Karl Poppers in Erscheinung getreten. Darauf gibt uns Bender leider keine befriedigende Antwort. So bleibt ein schaler Nachgeschmack. 

Da wählt Georg Restle von Monitor deutlichere Worte, welche die FAZ-Redaktion auf sich wirken lassen sollte ... 

Weitere Informationen: Monitor-Sendung vom 27.04.17 Die AfD: Schutzschild der extremen Rechten?


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen